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Mittwoch, 23. Januar 2013

Chinesen verhaften weitere 15 Tibeter

Chinesische Behörden nehmen 15 Tibeter wegen Weitergabe von Informationen über Feuerproteste fest

Bei ihrem harten Vorgehen als Reaktion auf die Welle der Selbstverbrennungsproteste haben die chinesischen Behörden nun in der Region Luchu der Präfektur Kanlho, Provinz Gansu, acht weitere Tibeter festgenommen, darunter auch jemanden aus der Familie eines Feueropfers, weil sie angeblich Außenstehende mit Informationen über die Feuerproteste versorgt haben.

Am 20. Dezember 2012 stellten die Behörden Kalsang Samdrub, einen 44jährigen Mönch des Klosters Sherab Phuntsok Rabgayling, in seiner Unterkunft im Kloster zur Rede. Am folgenden Tag nahmen sie ihn fest, weil er angeblich mit den „spalterischen“ Kräften im Ausland in Verbindung stehe.

Die anderen sieben, Nyima, Lhamo Dorje, Dorjee Dhondrub, Kalsang Kyab, Kalsang Sonam, Kalsang Namdren und Sonam Kyi, die alle Laien sind, wurden drei Tage später festgenommen. Die Behörden warfen ihnen vor, Leute von außerhalb kontaktiert und ihnen Informationen über den Selbstverbrennungsprotest von Tsering Namgyal, der sich 29. November 2012 in der Nähe eines Regierungsgebäudes in Luchu in Brand gesetzt hatte, geliefert zu haben.

Einer der Festgenommenen, Kalsang Namdren, ist ein Schwager von Tsering Namgyal. Die einzige Frau aus der Gruppe, Sonam Kyi, war bereits früher einmal inhaftiert, weil sie angeblich Informationen über die Massenerhebung 2008 in Lhasa an Außenstehende gesandt habe. Seit dieser Zeit ist es ihr verboten nach Lhasa zu reisen.

Statt auf die Beschwerden der Protestierenden einzugehen, haben die Behörden auf die Vielzahl der Selbstverbrennungen hin eine Reihe von strengen Gegenmaßnahmen ergriffen; so soll nun jeder, bei dem Begünstigung oder Anstiftung zur Selbstverbrennung festgestellt wird, des Mordes angeklagt werden, während Leute, die für die Feueropfer beten oder den Angehörigen ihr Beileid ausdrücken, anderweitig bestraft werden.

Schon mehrere Tibeter wurden unter der Anklage, andere mit Informationen über die Selbstverbrennungsproteste versorgt zu haben, festgenommen und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Seit 2009 gab es 96 (98) bekannt gewordene Fälle von Tibetern, die sich aus Protest gegen Chinas Herrschaft anzündeten. Auch im neuen Jahr gab es bereits eine Selbstverbrennung. Tsering Tashi, 22, erlag am 12. Januar 2013 in der Gegend Amchok von Sangchu seinen Verbrennungen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass die chinesische Polizei in Gansu sieben Tibeter in Gewahrsam genommen habe, denen sie vorwirft, Sangye Gyatso zu seiner Tat im Oktober aufgehetzt zu haben. Hinter der Selbstverbrennung steckten laut Xinhua „führende Mitglieder des zur Dalai Clique im Ausland gehörenden Tibetischen Jugendkongresses“.

Der Dalai Lama wies in einer Erklärung die Anschuldigungen zurück, er trage mit Schuld an diesem Geschehen. Behauptungen, er habe diese Feuerproteste aus der Ferne angeregt, seien ein „Zeichen von Verzweiflung“ bei der chinesischen Führung.

Quelle Radio Free Asia u.a.

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Oppenheimer

Donnerstag, 16. Juni 2011

Berichte und Namen zu Mönchen im Kloster Kirti, Ngabar, Tibet, welche von der chinesischen Regierung an einen unbekannten Ort verschleppt wurden.

Am 21. April 2011 wurden mehr als 300 Mönche aus dem Kloster Kirti in der Präfektur Ngaba mit Bussen zu einem unbekannten Ort verschleppt. Sie wurden laut Regierung zu einer "Fortbildung in Rechtsfragen" gebracht, wie man heutzutage in China zynischer Weise das was man früher "Umerziehung" nannte bezeichnet. Vor und während der Verschleppung wurden vier Tibeter, welche protestierten oder Widerstand leisteten, erschlagen.

Leider wird in westlichen Medien kaum über dieses Verbrechen berichtet, weil das Kloster und die Region streng von der Weltöffentlichkeit abgeschirmt ist und nur die Sichtweise der chinesischen Regierung nach außen dringt und diese auch nur, wenn überhaupt entsprechende Nachfragen gestellt werden. Nachrichten ohne Bilder sind in unseren Medien bedauerlicher Weise oft keine Nachrichten. Aus diesem Grund möchte ich einige Links in meinem Blog veröffentlichen und eine Namensliste veröffentlichen.

Meldung des Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (englisch)

Menschenrechtskommission der UN (englisch)

China startet Verleumdungskampagne gegen die Mönche des Klosters Kirti

Um den Opfern einen Namen und die ihnen gebührende öffentliche Aufmerksamkeit zu geben, werde ich hier die Namen der 160 von den verschleppten 300 Mönchen nennen, deren Name nach außen gedrungen ist:

1. Chedpa
2. Choe chok
3. Choechok
4. Choechok (der ältere)
5. Choedrup
6. Choejay
7. Choejor
8. Choekyi Gyaltsen
9. Choelo
10. Choepel Tashi
11. Choephel
12. Choephel
13. Choephel
14. Choephel Gyatso
15. Choezin
16. Choezin
17. Choezin
18. Choezin
19. Chokle Namgyal
20. Chuka Samten
21. Dakpa
22. Dawa
23. Dhargay
24. Dhondup Gyatso
25. Domchoe
26. Dongak Nyima
27. Gedhun Tsering
28. Gelek
29. Gelek Gyatso
30. Gelek Gyatso
31. Gendun
32. Gendun
33. Gendun Tsering
34. Golok Jinpa
35. Gyatso
36. Gyatso
37. Gyatso
38. Iknyen
39. Jampa
40. Jampel Tsultrim
41. Jamyang Gedun
42. Jamyang Gelek
43. Jamyang Gyatso
44. Jamyang Palden
45. Jamyang Tempa
46. Jamyang Tenzin
47. Jangkho
48. Jeygha
49. Jigme
50. Jigmey
51. Jigmey Gyatso
52. Kalden Gyatso
53. Karma Gelek
54. Karma Lhundrup
55. Kelwang
56. Khedrup Gyatso
57. Khesang
58. Kunchok Tenpa
59. Lekshey Gyatso
60. Lekshey Sangpo
61. Lhundup
62. Lhundup
63. Lhundup Ringmo
64. Lobsang
65. Lobsang Choedrak
66. Lobsang Gyatso
67. Lobsang Kelsang
68. Lobsang Ngawang
69. Lobsang Palden
70. Lobsang Paljor
71. Lobsang Rabjor
72. Lobsang Rinchen
73. Lobsang Samten
74. Lobsang Sopa
75. Lobsang Tenchok
76. Lobsang Tsering
77. Lobsang Tsondue
78. Lobsang Wangdrak
79. Lobsang Yarphel
80. Lobsang Yeshi
81. Lobsang Yeshi
82. Lodrak
83. Loepo
84. Lojik
85. Lolek
86. Lopel
87. Namdrol
88. Ngawang Choephel
89. Ngawang Dhargay
90. Ngawang Nyima
91. Ngawang Phuntsok
92. Ngawang Phuntsok (younger)
93. Ngawang Tendar
94. Ngodup
95. Norbu
96. Nyandak
97. Nyendak
98. Nyima
99. Palbar
100. Palden
101. Palden Sonam
102. Phagpa
103. Phuntsok
104. Phuntsok Tsering
105. Rabjor
106. Rabten
107. Rigzin
108. Rigzin
109. Rinzin Dorjee
110. Samdup
111. Samdup
112. Samten
113. Samten
114. Samten Dher
115. Samten Khachey
116. Sangye
117. Sangye
118. Shayon Sangye
119. Shayon Tashi
120. Shedup
121. Shega
122. Sherab
123. Sherab
124. Sherab Chung
125. Sherab Gyatso
126. Sherab Gyatso
127. Shiwa Lha
128. Sonam
129. Sonam Tenzin
130. Sonam Yarphel
131. Sotse
132. Takho
133. Tashi Choephel
134. Tashi Dhargay
135. Tashi Gyatso
136. Tashi Phuntsok
137. Tenzin
138. Thubten Dhargay
139. Thupten Jamyang
140. Thupten Phuntsok
141. Trinley Gyatso
142. Tse Trulku
143. Tsering
144. Tsering
145. Tsering Norbu
146. Tsezin
147. Tsondu
148. Tsongon Trulku
149. Tsultrim
150. Tsultrim Damchoe
151. Tsultrim Gyatso
152. Tsultrim Lodoe
153. Tsultrim Palden
154. Tsutrim Palden
155. Wangchen Wangchuk
156. Wangchuk Dhargay
157. Wangdak
158. Woesel
159. Woezo Lhundup
160. Yarphel

Samstag, 8. Januar 2011

Wikileaks:
China bezahlt Nepal für
Festnahme tibetischer Flüchtlinge

Bilder: Tibetische Grenzstädte zu Nepal

China setzt die nepalesische Regierung unter Druck, gegen Peking gerichtete Proteste der Tibeter auf ihrem Staatsgebiet zu unterbinden. Wie aus einer, von Wikileaks veröffentlichten
US-Depeche hervorgeht, setzt China auch seine finanzielle Stärke ein, um die nepalesische Polizei dafür zu bezahlen, daß sie Angehörige der Exilgemeinde festnimmt.

In den von der Whistle-Blower-Website veröffentlichten Botschaften spricht eine unbenannte Quelle der US-Botschaft in New Delhi immer wieder davon, dass „die chinesische Regierung die Streitkräfte Nepals belohne, indem sie Grenzsoldaten finanzielle Anreize biete, auf der Flucht aus China befindliche Tibeter festzunehmen und auszuliefern".

Die dem US-State Department unter dem Titel „Tagebuch Delhi“ von der US-Botschaft gesandte Notiz, die als vertraulich eingestuft wurde, enthält auch eine Aussage über den tibetischen Flüchtlingsstrom, welche die Quelle dem Botschafts-Angehörigen am 4. Februar gemacht hatte.
Wikileaks, das über 250.000 amerikanische diplomatische Depeschen veröffentlichte, hat die Namen der als Quelle genannten Personen, entfernt.
Die Zahl der indischen Boden betretenden Tibeter ist stetig zurückgegangen, seitdem Peking von Kathmandu verlangte, die Patrouillen nepalesischer Grenztruppen zu verstärken, um die Tibeter daran zu hindern, nach Nepal zu kommen, wie aus der Depesche, die auch von myrepublica online, der Website der nepalesischen Tageszeitung Republica, veröffentlicht wurde, hervorgeht.
Darin heißt es, die Zahl der in Indien eintreffenden Tibeter sei „seit dem Volksaufstand in Tibet von 2008 merklich zurückgegangen“.

In Nepal leben etwa 20.000 Exiltibeter, und seit den Unruhen 2008 in Lhasa gab es in der Hauptstadt mehrere anti-chinesische Demonstrationen. Nepal stand unter dem Druck Chinas, sie aufzulösen. Peking hat Nepal wiederholt aufgefordert, die tibetischen Flüchtlinge auf seinem Territorium besser zu kontrollieren und den Protesten Einhalt zu gebieten.

Diese Protestaktionen brachten die Regierung Nepals, die solide Beziehungen zu China anstrebt, in Verlegenheit. Nepal bekennt sich zu der „Ein-China-Politik“, die Tibet als einen integralen Teil Chinas betrachtet. Nepal hat wiederholt seinem mächtigen Nachbarn im Norden versichert, daß es nicht gestatten werde, daß auf seinem Territorium gegen China gerichtete Aktionen stattfinden. Nepal hat die Kontrollen verstärkt und die Tibeter davor gewarnt, anti-chinesische Proteste zu organisieren.

Unter dem wachsenden Druck des kommunistischen Regimes in China hat Nepal immer wieder tibetische Flüchtlinge, die „Nepal von China aus illegal betraten“, zurückbefördert. Zahlreiche Medienberichte bestätigen, daß die Behörden in Nepal in den letzten Jahren mehrfach tibetische Flüchtlinge den chinesischen Behörden auslieferten.

Quelle: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) Arbeitsgruppe München

Freitag, 10. Dezember 2010

Friedensnobelpreis 2010



Liste der 18 Länder die auf Grund einer Aufforderung des chinesischen Regimes nicht an der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo teilnahmen in alphabetischer Reihenfolge:

  • Ägypten, 
  • Afghanistan, 
  • Irak, 
  • Iran, 
  • Kasachstan, 
  • Kolumbien, 
  • Kuba, 
  • Marokko, 
  • Pakistan, 
  • die Philippinen, 
  • Russland, 
  • Saudi-Arabien, 
  • Serbien, 
  • Sudan, 
  • Tunesien, 
  • Ukraine, 
  • Venezuela 
  • Vietnam
Dies ist die illustere Runde der Staaten, von denen Menschenrechte und freie Meinungsäußerung als gefährlich eingeschätzt werden, und die sich daher hinter das Regime in Peking stellen.

Freitag, 8. Oktober 2010

Friedensnobelpreis 2010

Herzlichen Glückwunsch an

Liu Xiaobo

für den

Freitag, 16. April 2010

Erdbeben in Tibet oder in China?

Große Verwunderung bei interessierten Zuschauern über Nachrichten aus dem Erdbebengebiet. Alle Kanäle berichten von einem Erdbeben im "Westen Chinas" und zwar in der Provinz Qinghai, was ja auch sehr chinesisch klingt. Auf den Bildern der Berichterstatter sieht man aber immer wieder sehr viele Tibeter und tibetische Mönche, die wir unerfahrenen Westler in Tibet aber nicht in China in solcher Anzahl vermuten.

Mir war gleich klar, dass das, was wir hier zu hören und zu sehen bekamen, das Ergebnis chinesischer Politik war um Tibet als große und autonome Einheit endgültig zu zerstören.



Die Bevölkerung von Qinghai teilt sich wie folgt auf:

Chinesen 55%,
Tibeter 21%
Hui 16%

Diese Zahlen beziehen sich auf die heutige Realität. Tibeter und Tibet-Freunde müssen sich dieser Realität stellen. Mit dem andauernden Zustrom von Chinesen nimmt der Anteil der Tibeter immer noch weiter ab.

Tibet-Kenner wissen, dass das historische Tibet aus 3 Cholkhas bestand: Ü-Tsang (zentrales Tibet), Dotoe (Kham) und Kuppel (Amdo).
Kyegudo (Yushu), welches nun vom Erdbeben betroffen ist, liegt in Kham. Nach der Einteilung der chinesischen Machthaber ist es heute ein Teil der Qinghai-Provinz (Tso-ngön oder blaues Meer= Kokonor). Sowohl die tibetische Provinz Kham als auch Amdo sind in mehrere neue Regionen eingeteilt worden. Aus diesem Grund sind zum Teil sogar Tibet-Kenner verwirrt.

Wenn die chinesischen historischen Behauptungen der Wahrheit über Tibet entsprechen sollen, dann können diese nur aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Zwischen 1720 und 1911 geriet Tibet gelegentlich in eine unterschiedlich starke Abhängigkeiten der chinesischen Manchu-Qing Dynastie. Für einen kurzen Zeitraum übte die Manchus sogar starken Einfluss auf die Regierungsangelegenheiten Tibets aus, speziell sofort nach der Besetzung im Jahre 1720, nach dem tibetischen Bürgerkrieg von 1727-28 (Amban, der hohe Kommissar der Manchu war zunächst in Lhasa stationiert). Nach dem Aufstand der Tibeter gegen die Manchu von 1750 (Höhepunkt von Ambans Einfluss auf tibetische Angelegenheiten) und nach dem Gorkha Krieg von 1792 nahm dieser Einfluss wieder ab. Die Autorität des Ambans' in Lhasa nahm in diesen fast 200 Jahren je nach Stärke und Einigkeit der herrschenden Klasse in Tibet und der Stabilität der Manchu Regierung in China zu oder ab.

In den drei traditionellen Regionen Tibets war der chinesische Einfluss in Amdo immer am stärksten. Es wurden bereits im Jahr 1928 die Provinzen Qinghai und Sichuan (östliches Kham) geschaffen. Man konnte das schon damals als chinesisch- "kartographische Invasion" in Tibet erkennen. Dennoch blieb die kartographischen Darstellung von Tibet in 3 Teile aus der Sicht der Tibeter stets und grundsätzlich unverändert. Trotz des Fehlens von zuverlässigen Daten kann man nachvollziehen und behaupten, dass im Jahr 1928 die Tibeter die dominierende ethnische Gruppe, gefolgt von Huis und Mongolen, in diesen Regionen waren. Huis sind ethnisches Chinesisch muslimischen Glaubens. Es ist klar, dass der Zustrom der nicht-muslimischen ethnischen Chinesen nach Qinghai erst nach 1928 begann.

Am 9. September 1965, kurz vor der Kulturrevolution, war Tibet dann formal von der chinesischen Zentralregierung in 5 Regionen aufgeteilt:
Ü-Tsang und das westliche Kham wurden „autonome Region Tibet“ (Teer) genannt.
Der größte Teil von Amdo wurde Qinghai,
ein kleiner Teil im Osten wurde der Provinz Gansu und der Südosten (Ngapa) Amdos wurden Sichuan zugeteilt.
Das nordwestliche Kham (Kyegudo = Yushu) wurde ebenfalls in Qinghai, das östliche Kham in die Sichuan- und der Süden von Kham in die Yunnan-Provinz integriert.

Konflikte in Tibet

Tibeter warten auf Hilfe

Tibet - Historischer Überblick

Samstag, 6. März 2010

Sexueller Missbrauch - Viele Facetten

Sehr interessant, was alles in der heutigen Zeit als Missbrauch gewertet wird bzw. werden kann. Für mich schält sich dabei mehr und mehr heraus, dass sexuelle Kontakte vor allem dann missbräuchlich sind, wenn eine/r der Beteiligten sich wegen körperlicher Überlegenheit der/s anderen nicht wehren kann, oder sich dem sexuellen Wünschen des Gegenübers aus anderen Gründen nicht entziehen kann. Auch scheint man bei den "Übergriffen" immer mehr die Gewalt mit einzubeziehen. Erziehungsberechtigte scheinen, mit nicht wenig Lust, noch vor wenigen Jahren auf Zöglinge immer wieder und heftig eingedroschen zu haben.

So ging es auch, wenngleich in relativ geringem Ausmaß, im Heidelberger Friedrichsstift, einer evangelischen Internatseinrichtung, auch Schülerheim genannt, in der Bergstraße 106 in Heidelberg-Handschuhsheim, zu. Der Pfarrer, der dieses Haus leitete und dort auch mit Frau und Sohn lebte, hat durchaus das ein oder andere mal kräftig zugeschlagen, wenn er sich pädagogisch nicht mehr anders zu helfen wusste.

Eine ganz andere Form von Missbrauch, die damals wie heute mehrheitlich fälschlicher Weise nicht als Missbrauch empfunden wird und sich mit dem zu dieser Zeit üblichen Umgang mit dem Thema erklären lässt, fand im Zusammenhang mit Homosexualität statt. Zwei Schüler die im Friedrichstift diese Neigung bei sich entdeckten und einen der seltenen Freiräume im Speicher des Hauses nutzten um ihrer gegenseitige Zuneigung Raum zu geben und ihre Sexualität zu erkunden, traf der Bannstrahl der Internatsleitung. Unter den anderen Schülern des Heims gab es nur spärliche Informationen und diese wurden nur unter vorgehaltener Hand verbreitet. Die beiden Schüler die irgendwann "erwischt" worden waren, wurden danach streng getrennt gehalten und mussten sich einzeln den Befragungen des Pfarrers unterziehen. Dies geschah ca. 2 Jahre vor einer ersten Liberalisierung des § 175 und war wohl damaliger Standard nicht nur im Friedrichstift, einem Haus des evangelischen Melanchthonvereins welcher bundesweit noch mehrere Häuser unterhielt.

Mir selbst wurde später ein Zutritt zum Stift und der Besuch von alten Internatskameraden verwehrt, nachdem ich mich bereits mit 17 Jahren, damals eine große Seltenheit, soweit möglich zu meiner Homosexualität bekannte.

Freitag, 26. Februar 2010

Berichte aus Burma Birma Myanmar




Im Arte Programm ausgestrahlt am Dienstag, den 23 Februar 2010 um 20.15


Direkt zur Dokumentation


Montag, 30. November 2009

Buch von Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus Burma - Birma - Myanmar

(openPR) - Aung San Suu Kyi ist eine Gefangene in ihrem eigenen Land. Die Tochter des 1947 ermordeten Freiheitskämpfers Aung San steht an der Spitze der Protestbewegung gegen das Militärregime in Burma, ist jedoch von der Außenwelt abgeschnitten. Das demokratisch gewählte Oberhaupt Burmas steht seit 1989, mit kurzen Unterbrechungen, unter Hausarrest. In der Zeit ihrer Isolation ist die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zur Symbolfigur für die Auflehnung des Volkes von Burma gegen ein grausames Militärregime geworden.

»Der Weg zur Freiheit« enthüllt eine Gesellschaft, die politisch kaum verwüsteter, jedoch spirituell und religiös kaum lebendiger sein könnte. Im Gespräch mit Alan Clement, dem amerikanischen Journalisten und buddhistischen Mönch, beleuchtet Aung San Suu Kyi eine der beeindruckendsten, gewaltfreien Revolutionen der heutigen Zeit. Die Gespräche gewähren Einblicke in Aung San Suu Kyis vom Buddhismus geprägtes Leben und ihren Einsatz für den Frieden. Die Neuauflage ist um ein aktuelles Vorwort von Alan Clements, eine umfangreiche Chronologie der Ereignisse in Birma (bis 2008) und um eine umfassende Liste aktueller Internetlinks zu Burma ergänzt.

Aung San Suu Kyi, geboren 1945, ist eine Symbolfigur für die Auflehnung des Volkes Burma gegen die brutale Militärjunta des Landes. Bei den Wahlen im Mai 1990 erringt die von ihr geführte "National League for Democracy" einen überwältigenden Sieg. 1991 wird ihr der Friedensnobelpreis verliehen.

Alan Clements ist Journalist und Autor. Er setzt sich weltweit für die Menschenrechte in Burma ein.

Aung San Suu Kyi
Der Weg zur Freiheit


Die Friedensnobelpreisträgerin aus Burma im Gespräch mit Alan Clements. Ergänzt durch Gespräche mit U Kyi Maung und U Tin Oo, Stellvertretende Vorsitzende der NLD. Mit einem Vorwort von Alan Clements, einer aktuellen Chronologie und
Internetlinks zu Burma.
352 Seiten, kartoniert
¤ 19,90 D
ISBN 978-3-525-54005-3

Buch kann hier bestellt werden

Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht

Montag, 10. August 2009

Leserbrief 02 an die Zeitschrift Stern


Sehr geehrter Herr Osterkorn,
sehr geehrte Redaktion,

zu Ihrem Titel “Die zwei Gesichter des Dalai Lama” (stern 32/2009) erlauben wir uns als einer der Veranstalter von “Der Dalai Lama in Frankfurt 2009” folgende Bemerkungen:

Die Darstellung Ihrer Autoren Tilman Müller und Janis Vougioukas ist tendenziös. Sie zeigt durchaus wichtige Fragen auf, denen sich die tibetische Exilgemeinschaft schon immer zu stellen bereit ist. Leider hatten deren Vertreter jedoch keine Möglichkeit zu einer eigenen Stellungnahme. Die Haltung der tibetischen Regierung im Exil oder des Büros des Dalai Lama wird den Thesen der Autoren nicht gegenüber gestellt. Es entspricht weder den üblichen und wertvollen Gepflogenheiten journalistischer Arbeit noch dem Anspruch an eine unabhängige Berichterstattung, die - bekannte - Haltung von Einzelpersonen ohne einen Hinweis auf die Gegenargumente darzustellen.

Die Darstellung ist daher verzerrt, möglicherweise wurde dies bewusst in Kauf genommen, um eine erwünschte Wirkung zu erzielen. Deshalb muss einigen Thesen der Autoren ausdrücklich widersprochen werden:

Der tibetische Buddhismus ist im Westen eine weitgehend unbekannte Tradition. Von denen, die über Ereignisse wie “Der Dalai Lama in Frankfurt 2009” berichten, sind nur ganz wenige mit den tiefen Inhalten dieser tausendjährigen Tradition vertraut. Der tibetische Buddhismus sieht sich in der Nachfolge des historischen Buddha, der Praxis der Geistesschulung, und ist der Meditation und der Entwicklung besonderer menschlicher Qualitäten verpflichtet, wie Freigebigkeit, Ethik und Mitgefühl. Es ist, wie der Dalai Lama als buddhistischer Lehrer immer wieder betont, nicht mit einer buddhistischen Geisteshaltung zu vereinbaren, wenn die Verehrung einer unbedeutenden Figur wie des Schutzgeistes Dorje Shugden über die Quelle der eigentlichen Praxis, den Buddha, gestellt wird. Die Figur Dorje Shugdens ist äußerst sektiererisch, welches der Dalai Lama entschieden ablehnt. Der Dalai Lama ist überzeugt, dass die sektiererische Haltung der Anhänger dieses Kultes dem Buddhismus insgesamt sehr schadet. Er hat vor diesem Hintergrund die sog. “Shugden-Praxis”, die er früher selbst ausgeübt hat, als schädlich erkannt und aufgegeben. Wenn der Dalai Lama als spiritueller Lehrer einer Gemeinschaft diese Gemeinschaft vor den mit der “Shugden-Praxis” verbundenen Problemen warnt und dabei betont, dass es trotzdem jedem frei stehe, die Praxis aufzugeben oder nicht, steht dies nicht im Widerspruch zur Religionsfreiheit. Dieser persönlichen Freiheit jedes Einzelnen ungeachtet ist der Dalai Lama ganz persönlich verpflichtet, die Tradition des Buddhismus zu erhalten und sich gegen eine Tendenz der Verwässerung und Trivialisierung zu wenden. Überdies sind Anhänger des “Shugden-Kults” in der Vergangenheit soweit gegangen, Personen aus dem Umfeld des Dalai Lama zu ermorden. Die Furcht Seiner Heiligkeit um seine eigene Person, aber auch um den Gehalt und Wert der buddhistischen Tradition, sind daher mehr als real.

Die Rolle des Dalai Lama innerhalb der tibetischen Regierung im Exil ist vor dem Hintergrund seiner doppelten Funktion als eine spirituelle und politische Führungsperson der Tibeter mehrdeutig. Es ist nicht der Wunsch des Dalai Lama, und dies hat er zu vielen Gelegenheiten ausdrücklich betont, innerhalb der politischen Meinungsbildung eine besondere Rolle zu spielen. Gleichwohl ist es Folge des Respekts und des Vertrauens, das ihm nahezu alle Tibeter innerhalb und außerhalb Tibets in allen geistlichen und weltlichen Fragen entgegenbringen, dass sein Rat eingeholt wird und Gewicht hat. Es ist daher in der Tat so, dass der Dalai Lama – ohne sein eigenes Zutun – in viele Entscheidungen einbezogen wird. Seine Heiligkeit unternimmt vielfältige Bemühungen, die politischen Implikationen dieser Doppelrolle zu minimieren. Der Person eine undemokratische Gesinnung zu unterstellen, welche mit dem Vorschlag einer Verfassung für Tibet ihre eigene “Entmachtung” eingeleitet hat, lässt sich wirklich nicht aufrecht halten.

Tibet war vor 1949 ein asiatischer Feudalstaat. Die Notwendigkeit von Reformen hatte bereits der Vorgänger Seiner Heiligkeit, der 13. Dalai Lama, klar erkannt. Die notwendigen Reformen einzuleiten war indes weder Aufgabe der Volksrepublik China, die bis heute die Besetzung Tibets mit dem Hinweis auf die Befreiung der Tibeter von der Knechtschaft der Dalai Lamas begründet; noch ist es Sache der Regierungen des Westens die Bemühungen der Exiltibeter zu verurteilen, weil mit der Gewaltenteilung und Festigung demokratischer Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten dort ein Prozess der Demokratisierung eingeleitet wurde, der konsequent und ernsthaft fortgesetzt wird. Es ist unfair und unrealistisch zu erwarten, dass dieser Prozess ganz ohne Fehler und Probleme vonstatten geht. Der Sprung Tibets vom Mittelalter ins 21. Jahrhundert ist eine Erfolgsgeschichte, die allenfalls Wohlwollen und konstruktive Kritik verdient. Der Dalai Lama hat immer wieder den Wert einer konstruktiven Kritik für die Entwicklung der Demokratie innerhalb der tibetischen Exilgemeinschaft betont.

Die Bemerkungen Ihrer Autoren zu den Kontakten Seiner Heiligkeit zu “wertkonservativen und rechten Politikern” sind einerseits ein bemerkenswertes Beispiel für den Versuch der Autoren, eine Schlagzeile zu machen. Andererseits zeigt dieser Kommentar, wie wenig im Westen diese Herangehensweise verstanden wird. Der Dalai Lama hat im Rahmen der Veranstaltung in Frankfurt betont, das seine Lösung der globalen Fragen nur auf der Ebene eines mitmenschlichen Dialogs möglich ist. Personen wie H. Harrer und J. Haider begegnete der Dalai Lama in erster Linie auf dieser Ebene. Derselbe Dalai Lama bietet der chinesischen Regierung, die im Zuge der Besetzung Tibets und der nachfolgenden Wirren der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts für den Tod von mehr als einer Million Tibetern verantwortlich ist, immer wieder ergebnisoffene Gespräche über die Zukunft seiner Heimat an. Es ist diese Art des “Aufeinander-zu-Gehens”, die wohl als meistunterschätztes Mittel der Weltgeschichte ein Umdenken auch auf der Seite derer ermöglichen kann, deren politische und weltanschauliche Ansichten an und für sich kritisch zu sehen oder gar abzulehnen sind.

Die Veranstalter hoffen, dass Sie bereit sein werden, diesen Brief in ihrer nächsten Ausgabe abzudrucken und Ihren Lesern zu ermöglichen, sich ein besseres Bild von den Fakten und den Hintergründen zu machen, welche die Autoren nicht bereit waren, einzubeziehen. Es ist diese Art von Journalismus, die polarisiert und enttäuscht. Die Teilnehmer von “Der Dalai Lama in Frankfurt 2009” haben in der letzten Woche genau das Gegenteil erfahren dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Berzin gemeinsam mit dem
Vorstand der Deutschen Buddhistischen Union (DBU)


Lesenswerter Nachfolgeartikel in der Zeit:


Der Dalai Lama hatte Sex mit Barack Obama

Montag, 6. Juli 2009

Gericht in Indien "erlaubt" Homosexualität


Neu Delhi (AFP) — In einem historischen Urteil hat die indische Justiz ein seit der britischen Kolonialzeit geltendes Verbot von Homosexualität aufgehoben.

Das Hohe Gericht in Neu Delhi hat nun endlich nach jahrelanger Befassung mit dem geltenden Recht und der gelebten Realität in Indien und New Delhi die Bestimmung im indischen Strafrecht, die "widernatürlichen Geschlechtsverkehr" unter Strafe stellt, als das erkannt, was es ist: Diskriminierend und ein Verstoß gegen die Grundrechte.

Natürlich melden sich die Freunde des Mittelalters, und die, welche sich selbst zu Vertretern ihres Gottes bzw. ihrer Propheten ernannt haben, wieder zu Wort und wettern wie üblich gegen das, nun auch noch staatlicherseits erlaubte, "sündige" Treiben. Die Verlogenheit, Bigotterie und Doppelmoral der "alten" Moslems und Christen führt dazu, dass sie sich immer mehr in die Lächerlichkeit begeben. Selbstständig denkende Menschen werden sich diesen Predigern und ihrer abstrusen Moral, künftig auch in Indien, immer seltener ausliefern.

Samstag, 28. März 2009

Hans Heinz Holz und die Torheit des alten "Linken"


Hans Heinz Holz, DKP-Mitglied, Philosophie-Professor (emeritiert), ehemaliger Journalist und aktuell Autor von diversen Artikeln in der "jungen" Welt, hat zugeschlagen.

Zum aktuellen Artikel in der jungen Welt

Mit "linker" eurozentristischer Sicht belegt er Jahrhunderte der Geschichte fremder Länder und Kulturen mit Begriffen aus der europäischen Vergangenheit. Er macht sich allzu oberflächlich ein Bild von der Philosophie, der Kultur und der Religion der Gesellschaft, deren "Befreiung" er, zusammen mit dem derzeitig höchst undemokratischen, unterdrückerischen und Menschen verachtenden Regime in China, feiert.

Außer der unreflektierten Übertragung europäischer, westlicher Bedeutungen übernimmt er auch eins zu eins Phrasen aus der chinesisch-kommunistischen Propaganda.
Hier eine Auswahl von Begriffen aus seinem Artikel, die jedem, der sich mit asiatischer Kultur und Politik allgemein und der Mongolei, China und Tibet im Besonderen beschäftigt hat, zeigen, dass der Mann nichts ausser den eigenen Konzepten verstanden hat:

"reaktionäre Clique", "vorrevolutionären Gesellschaftsverhältnisse", "hochfeudale Machtentfaltung", "Herrschaftsgewalt", "Klöster machten die freien Armen zu armen Leibeigenen", "das Galupta (ähnlich wie die Kluniazenser in Europa)", "Böse Kirchenorganisation des Lamaismus", "buddhistische Mönche, die meist aus den Adelsfamilien stammten", "aristokratischen Herrenschicht", "so gehörte Tibet seit dem 13. Jahrhundert gemäß feudalem Lehensrecht zum chinesischen Reich", "Nach 1959 konnte die Volksrepublik die wirtschaftliche, soziale und bildungspolitische Arbeit intensiviert fortsetzen, die Kommunisten kollektivierten das Land und verteilten es später unter den Bauernfamilien", "Theokratie der Lamas",


Eventuell nehme ich mir die einzelnen Phrasen und Bezeichnungen in späteren Beiträgen noch einmal vor und versuche deutlich zu machen, wie diese linksintelektuelle Pipi Langstrumpf sich die Welt zurecht legt.

Kein Wunder, dass diese Art von Artikeln, ebenso wie die des Herrn Colin Goldner und anderen sogenannten Kritikern nur noch in der oft unsachlichen und teilweise antisemitischen "Jungen Welt" veröffentlicht werden.

Freitag, 30. Januar 2009

Flagge zeigen!


Nach dem Skandal in Duisburg, in dem sich die deutsche Polizei zum Handlanger von Hammas-Sympathisanten machte, gibt es jetzt ein Skandal in der Schweiz mit einer tibetischen Flagge. Hier wurde die Polizei aktiv und ließ eine tibetische Flagge aus einem Schaufenster anlässlich eines Besuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao entfernen.

Aus diesem Anlass möchte ich auf meinem Blog Flagge zeigen und alle aufrufen es nach Möglichkeit auch zu tun.

Freitag, 16. Januar 2009

Freiheit für Tibet - Bo Rangzen


Tibet war vor der Besetzung durch die VR - China unabhängig. Außer Volk und Land gab es eine eigene Sprache, eine eigene Schrift, eine eigene Währung, eine eigenen Nationalflagge und alles anderen was zu einem unabhängigen Staat gehört.

China beutet nun seit über einem halben Jahrhundert Tibet aus: Wälder werden rücksichtslos und ohne System abgeholzt, Edelmetalle und andere Bodenschätze werden abgebaut, Kulturschätze werden ins Ausland verkauft.

Tibet wird zu Chinas Müllgrube – Atommüll und andere gefährlichen Stoffe werden in Tibet endgelagert. Die Folgen für Tibet aber auch für die Welt durch radioaktive Strahlung und Vergiftungen sind schon jetzt absehbar.

Menschen wurden und werden inhaftiert und gefoltert. Das galt schon immer wenn man eine andere Meinung als die regierende Partei hatte. Nach den jüngsten Unruhen reicht es schon ein Tibeter zu sein um große Gefahr zu laufen verhaftet zu werden. Perfide Foltermethoden wie z.B. Elektroschocks sind an der Tagesordnung.

Systematische Sterilisierung tibetischer Frauen. Unter dem Vorwand sich zu einer medizinischen Untersuchung zu melden wurden Frauen in medizinische Einrichtungen geladen in denen sie ohne ihr Wissen und Einverständnis sterilisiert wurden.

Durch Zuzug von Chinesen werden die Tibeter im eigenen Land zur Minderheit. Dies gilt bereits für Lhasa und viele andere tibetische Städte. Nahezu alle Geschäfte, vor allem die lukrativen, sind fest in der Hand von Chinesen. Tibeter werden als Menschen zweiter Klasse, nicht nur in Tibet, behandelt, die sich für einfachste Arbeiten verdingen müssen um zu überleben.


Klöster und andere historische Gebäude wurden geschändet und zerstört. Mentsekang. die Hochschule für traditionelle tibetische Medizin auf dem Chagpori-Hügel gegenüber dem Potala-Palast, sowie ca. 6000 Klöster darunter Ganden, Tsurpu und Tsera, um nur die größten zu nennen, wurden zerstört.

Die wenigen Klöster und Tempel, die nicht der chinesischen Zerstörung zum Opfer gefallen sind bzw. von Tibetern teilweise wieder aufgebaut wurden, werden als Touristenattraktionen zweckentfremdet. Die Mönche und Nonnen werden sofort verhaftet wenn sie sich für mehr tibetische Autonomie und Religionsfreiheit aussprechen. Sie sind von den chinesischen Offiziellen nur als Statisten gesehen und geduldet.


Die alte tibetisch-buddhistische Kultur wird systematisch zerstört und ihre Reste zur Folklore für Touristen gemacht. Erst nachdem die chinesischen Besatzer bereits viele Buddhafiguren ihrer Edelsteine beraubt und das Gold der Tempel eingeschmolzen hatten wurde ihnen bewusst, dass auch die tibetische Kultur sich vermarkten ließ. Chinesische Händler verkaufen billige Imitationen tibetischer Trachten und tibetischer Kunstwerke an Touristen.

Die Entführung religiöser Führer Tibets durch die chinesische Regierung und ihr Ersetzen durch Nachwuchs von Parteimitgliedern wird, noch nicht erfolgreich, praktiziert. Der von den Tibetern anerkannte und beliebte Panchen Lama wurde von den chinesichen Behörden verschleppt und ist seit Jahren verschollen. Anstelle von ihm wurde das Kind eines Parteikaders den Mönchen und Tibetern als neuer Panchen Lama vorgesetzt. Die Tibeter in Tibet akzeptieren diesen "Panschen Lama" nur unter Zwang.

Die tibetische Sprache wird mehr und mehr durch das in Zentralchina übliche vereinfachte Chinesisch ersetzt. Tibetisch wird in den meisten Schulen nur noch als Zweitsprache gelehrt. Für die meisten Tibeter sind viele Bildungsangebote überhaupt nicht zugänglich.


Die von den Chinesen ins Land gebrachte Infrastruktur dient nur der weiteren Unterdrückung und Ausbeutung des Landes. Die Stromleitungen und Straßen z.B. führen von einer chinesisch-militärischen Einrichtung zur anderen und in die chinesischen Viertel der Städte. Bei der Planung der Infrastruktur ging und geht es nur um chinesische Interessen. Die Bedürfnisse der Tibeter werden ignoriert und spielen keine Rolle.

Die chinesische Regierung hält die Weltöffentlichkeit offensichtlich für blind und dumm. Sie hofft, dass durch ständige Wiederholung ihre Lügen zu Wahrheiten werden. So werden historische Fakten zur Unabhängigkeit Tibets vor 1950 ignoriert und völlig außer Acht gelassen. In chinesischen Schulen wird ausschließlich nationalistische Propaganda zum Lehrstoff. Viele Chinesen haben nur diese Propaganda der Pseudokommunisten als Geschichtsbild und haben Schwierigkeiten mit der Wahrheit umzugehen.

Der wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestages stellte bereits 1987 fest:

„Die Staatengemeinschaft geht zwar davon aus, dass Tibet Teil des chinesischen Staatsverbandes ist, doch wurde der Status Tibets nicht geklärt. Zum Zeitpunkt der gewaltsamen Einverleibung in den chinesischen Staatsverband war es ein eigenständiger Staat. China hat keinen wirksamen Gebietstitel erworben, weil es dem Grundprinzip des aus dem Gewaltverbot hervorgehenden Annexionsverbots entgegensteht. Die Effektivität tatsächlicher Herrschaftsgewalt über ein Gebiet vermag keinen Gebietserwerb zu bewirken.“

Der Deutsche Bundestag stellte im Jahr 1996 mit einer sehr großen Mehrheit die gewaltsame Unterdrückung Tibets und Repressionspolitik Chinas fest:

„Beginnend mit den unmenschlichen Militäraktionen seit dem Einmarsch Chinas im Jahr 1950, dauert die gewaltsame Unterdrückung Tibets und seines Strebens nach politischer, ethnischer, kultureller und religiöser Selbstbestimmung bis heute an. Die fortgesetzte Repressionspolitik Chinas in Tibet hat schwere Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörungen sowie massive wirtschaftliche, soziale, rechtliche und politische Benachteiligungen der tibetischen Bevölkerung und letztlich die Sinisierung Tibets zur Folge.“

Donnerstag, 8. Januar 2009


Meldungen zu Tibet:

China Observer, 08.01.09:

Tibetischen Flüchtlingen droht die Ausweisung

Etwa 30% der 20.000 tibetischen Flüchtlinge, die in Siedlungen in und um Pokhara, Nepal, leben, wurden nie mit einem Flüchtlingsausweis ausgestattet.

Das Asien-Zentrum für Menschenrechte (ACHR) in New Delhi drängte den zu Besuch in Indien weilenden nepalesischen Premierminister Pushpa Kamal Dahal, alias Prachanda, die Rechte der tibetischen Flüchtlinge in Nepal zu schützen und auf keinen Fall irgendeinen von ihnen nach China zurückzuschicken.

Etwa 30% der 20.000 tibetischen Flüchtlinge, die in Siedlungen in und um Pokhara, Nepal, leben, wurden nie mit einem Flüchtlingsausweis ausgestattet.

Der Standard (A), 29.12.08:

"China ist eine Fälschung"

Sein rotes Stirnband will er erst abnehmen, wenn Tibet unabhängig ist: Tenzin Tsundue, führender Kopf der neuen Exilgeneration, zieht im DER STANDARD-Interview Bilanz

Standard: Peking hat den Aufstand der Tibeter vor den Olympischen Sommerspielen niedergeschlagen. Gleichzeitig kann China Treffen westlicher Staatschefs mit dem Dalai Lama weiter nicht verhindern, wie jüngst die Begegnung mit Nicolas Sarkozy zeigte. Sehen Sie mit Bitterkeit oder mit einer gewissen Hoffnung auf dieses Jahr zurück?

Tsundue: Die Proteste in Tibet haben dem Kampf unseres Volks sehr geholfen. Tibet-Beobachter haben zu glauben begonnen, den Leuten gehe es gut unter der chinesischen Besatzung, sie hätten sich damit abgefunden, eben weil es lange Zeit keine Proteste gab.

Der Aufstand der Tibeter am 10. März war ein internationales Ereignis. Eine lange aufgestaute Wut hat sich Bahn gebrochen. Wenn wir nicht protestieren, werden wir sterben, dachten sich die Tibeter. 250 Menschen starben, etwa 5000 wurden verhaftet.

Standard: Weder die Exiltibeter noch die internationale Gemeinschaft haben die Niederschlagung des Aufstands verhindern können.

Tsundue: Die chinesische Regierung macht, was sie will. Die westlichen Regierungen reden über Frieden und Menschenrechte, aber in Wirklichkeit tun sie nichts. Ihre Geschäftsinteressen in China haben Vorrang. Welche Regierung legt sich mit China an wegen Tibet, Ostturkestan (Provinz Xianjing mit der Volksgruppe der Uighuren, Anm.) oder der Unterstützung für das Regime in Myanmar?

Standard: Die EU hat protestiert, ebenso die USA.

Tsundue: Das sind Lippenbekenntnisse. Sie könnten viel mehr tun.

Standard: Was schlagen Sie vor?

Tsundue: Die internationale Gemeinschaft könnte eine Untersuchungskommission nach Tibet schicken, die herausfinden soll, was dort wirklich geschehen ist. Westliche Länder mit ihren Wirtschaftsinteressen in China sollten mehr Verantwortung für ihr Geld verlangen. Ihr Geld ist es, das die chinesische Regierung stärkt und deren koloniale Besetzung in Tibet.

Ich meine, am Ende schadet dieses Geld für die korrupten Kommunisten auch den einfachen Chinesen. Als ich 1997 Gefangener in Lhasa war, hatte ich einen Nachbarn in der Zelle, einen Chinesen, der jeden Tag arbeiten musste. Er kam jeden Abend völlig erschöpft und gebrochen zurück. Er hat mir erzählt, was er tun muss: den Dreck aus den Toiletten der Hotels und Gästehäuser der Touristen schaufeln und in den Gemüsegärten verteilen.

Standard: Was hilft es also, wenn Nicolas Sarkozy den Dalai Lama trifft wie im Dezember in Danzig?

Tsundue: Es hilft. Es liegt natürlich an Frankreich, für seine moralische Integrität einzutreten. Sarkozy hat das getan, indem er sich seine Entscheidung nicht von Peking diktieren ließ.

Standard: Aber die Geschäfte laufen weiter.

Tsundue: Die Geschäfte laufen weiter. Aber ein solches Treffen mit seiner Heiligkeit ermuntert andere Staaten in Europa, dem zu folgen.

Standard: Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Als einen Schriftsteller mit politischem Programm oder mehr als politischen Aktivisten?

Tsundue: Ich nehme George Orwell zum Vorbild. Er sagte, es ist nicht genug, Gedichte zu schreiben und sie in einem Buch zu lassen. Du musst auf die Straße hinausgehen und sie an die Wand schlagen. Die Ungerechtigkeit bekämpfen. Ich glaube, ich tue das als Dichter. Wir kämpfen heute für die Wahrheit: dass Tibet ein unabhängiges Land war. Und genau das fordern wir wieder.

Standard: Wie wollen Sie die Volksrepublik China loswerden?

Tsundue: Die Volksrepublik China ist eine Fälschung, die Mao Tse-tung 1949 geschaffen hat, ein verrückter chinesischer Nationalismus, der einfach durch Anwendung militärischer Gewalt entstand. In einem sehr viel freieren Staat werden die Chinesen das verstehen. Veränderungen finden jetzt schon statt.

Standard: Ihre Ideen entsprechen nicht ganz dem, was die tibetische Exilregierung als Linie vorgibt.

Tsundue: Die Exilregierung strebt nach Autonomie für Tibet innerhalb Chinas. Aber das ist nur eine politische Linie, und Politik ändert sich. Wir haben eine demokratisch gewählte Regierung. Wenn eine Mehrheit der Exiltibeter für die Unabhängigkeit ist, gibt es einen Wechsel, und den sehe ich jetzt.

Markus Bernath

Zur Person: Tenzin Tsundue ist Dichter, Aktivist und einer der führenden Köpfe der neuen Generation der Exiltibeter. Der 1975 in Indien geborene Sohn einer tibetischen Flüchtlingsfamilie war mehrfach in Haft, darunter auch 1997 in Lhasa nach einer illegalen Einreise nach Tibet. Tsundue war in Wien anlässlich des Filmfestivals "thishumanworld". Er spielt die Hauptrolle in dem Dokumentarfilm "Road to Tibet" des italienischen Journalisten Manfredi Manera.


Deutsche Welle, 24.11.08:

Kommentar: Tibet braucht echte Autonomie

Entgegen anders lautenden Gerüchten bleibt der Dalai Lama den Tibetern als Gallionsfigur ihres Kampfes um Autonomie erhalten. Eine Chance für China, meint Matthias von Hein in seinem Kommentar.

Vor über 20 Jahren sagte Deng Xiaoping, der Architekt der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik einen Satz, der heute noch in den Köpfen der Tibeter widerhallt: "In der Tibet-Frage kann man über alles reden, außer über die Unabhängigkeit". Aber schon Deng hat seinen Worten keine Taten folgen lassen. Und auch die heutige Führung setzt im Umgang mit den Tibetern auf Unterdrückung, nicht auf echten Dialog.

Weil das so ist, weil auch die Proteste der Tibeter im März brutal niedergeschlagen wurden, weil insgesamt acht Gesprächsrunden zwischen den Gesandten des Dalai Lamas und der chinesischen Regierung keinen Millimeter Fortschritt gebracht haben und im Sande verliefen, deshalb macht sich Unzufriedenheit unter den Exiltibetern breit. Gerade die jüngeren Tibeter sprechen sich immer häufiger für eine Abkehr vom "Mittleren Weg" des Dalai Lamas aus. Dieser Weg lehnt Gewalt ab und zielt lediglich auf echte Autonomie innerhalb des chinesischen Staatsverbandes; staatliche Unabhängigkeit wird nicht angestrebt.

Friedfertigkeit nimmt ab

Die Frustration im Umgang mit dem übermächtig erscheinenden China aber wurde so groß, dass immer mehr Tibeter bereit scheinen, gewaltsam für ein unabhängiges Tibet zu kämpfen. In dieser Situation hat der Dalai Lama das einzig Richtige getan: Er hat eine Sonderkonferenz der Tibeter einberufen, damit die Betroffenen selbst über den künftigen Weg beraten. Am Ende von einer Woche Beratung der 600 Delegierten steht nun ein klares Votum für den gewaltfreien, mittleren Weg des Dalai Lamas.

Peking sollte froh sein, dass der Dalai Lama die Exiltibeter noch einmal hinter sich vereinen konnte. Und Peking sollte die Zeit nutzen. Denn der Dalai Lama ist bereits 73 Jahre alt. Statt ihn als Separatisten und Verräter zu beschimpfen, sollte ein kritisches Nachdenken über die chinesische Minderheitenpolitik einsetzen.

Peking darf sich nicht wundern

Es sollte Peking zu denken geben, dass die Stimmung in Tibet trotz der gewaltigen Investitionen so stark gegen die Zentralregierung gerichtet ist. Der Pekinger Buchautor Wang Lixiong, verheiratet mit einer Tibeterin, bringt es auf den Punkt: Gerade die Politik der Zentralregierung treibt die Tibeter in die Arme von Unabhängigkeitsbefürwortern. Wer Mönche in so genannten "patriotischen Schulungen" dazu zwingt, mit dem Dalai Lama ihr religiöses Oberhaupt zu verleumden, der darf sich nicht wundern, diese Mönche bei nächster Gelegenheit auf der Straße zu sehen.

Nicht nur Tibet braucht echte Autonomie, auch die Rechte der anderen 55 nationalen Minderheiten müssen gestärkt werden, darunter die der Uighuren und Mongolen. Und diese Rechte müssen einklagbar werden - vor unabhängigen Gerichten. Damit könnte viel Druck aus dem brodelnden Nationalitätenkessel genommen werden. Die Konferenz von Dharamsala hat Konfrontation eine Absage erteilt; die Tibeter setzen weiter auf Dialog. Peking sollte im eigenen Interesse dafür sorgen, dass es ein echter Dialog wird.

Matthias von Hein