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Donnerstag, 9. Mai 2013

Gespräch mit dem Spiegel

Eine Frau vom Magazin Der Spiegel aus Berlin rief bei mir an und wollte mir ein paar Fragen stellen. Es ging um meine damalige Beteiligung bei der AG Schwup (Schwule, Päderasten und Transsexuelle bei den Grünen). Nach leidvoller Erfahrung mit dem Spiegel habe ich mir erlaubt, das Telefonat aufzuzeichnen, damit dokumentiert werden kann aus welchem Zusammenhang eventuell was gerissen und was weg gelassen wurde.

Nachdem ich mir die Aufnahme noch einmal angehört habe, konnte ich nichts finden, was skandalisierbar wäre. Aber der Spiegel ist ja erfinderisch. Die junge Frau versicherte mir, dass sie ganz neu beim Spiegel sei und alles ganz anders machen werde als ihr Kollegen.

Hier nun eine Zusammenfassung des Gesprächs:
Ziemlich zu Anfang gleich fragte die Dame mich nach meiner damaligen Beteiligung bei der oben genannten "Schwup". Ich habe klar gemacht, dass ich grundsätzlich gegen die Änderung und Erweiterung des Namens der ursprünglichen AG für Schwule bei den Grünen und Alternativen Listen war, ähnlich wie ich heute Unbehagen bei einer AG Queer empfinde, weil sich unter dem Begriff Queer ganz vieles sammeln lässt, zu dem ich als Schwuler Mann nichts sagen kann. Ich machte deutlich, dass die damalige Schwulenbewegung, an die sich die Pädosexuellen und die Transsexuellen später anhängten, nach der ersten Liberalisierung des §175 völlig naiv und unbelastet davon ausging, dass Sexualität ausschließlich mit Liebe zu tun hat. Auch machte ich deutlich, dass wir uns gegen jede Art von nicht einvernehmlicher Sexualität, also von sexuellem Missbrauch in jeder Form, schon damals stark positioniert hatten.

Dass die Missbrauchsfälle ausgerechnet in den Einrichtungen der Organisationen stattfanden, welche die gültigen moralischen Standards vorgaben und festlegten, wurde auch uns erst Jahre bzw. Jahrzehnte später bekannt. Letztlich konnte man den Eindruck gewinnen, dass gerade durch die Tabuisierung der Sexualität ein gewisser Schutz für die Täter in diesen Institutionen ausging. Dass sexueller Missbrauch ausgerechnet da statt findet, wo man schon ausserehelichen Geschlechtsverkehr geißelt, konnten auch wir uns nicht vorstellen.

Meine Beteiligung in der AG Schwup, zu deren Gründer die Journalistin mich zwischendurch machen wollte, ergab sich aus meiner Zuständigkeit in der Fraktion, das konnte ich ihr, so glaube ich, verständlich machen. Apropos Sachkompetenz: Dass der §175 vor 1969 beinhaltete, dass erwachsene Männer für einvernehmlichen Sex, der auf irgendeine Weise bekannt wurde (Offizialdelikt), bis zu 5 Jahre ins Gefängnis kommen konnten, war ihr zum Beispiel nicht bekannt. Auch dass die erste Veränderung des Gesetzes noch lange nicht das Ende dieses § war und die Streichung erst 1994 vorgenommen wurde, schien ihr unbekannt. Aber egal, wenn ein Gespräch wie dieses zur allgemeinen Aufklärung dient, dann ist mir das eine Freude.

Die Dame hatte Protokolle im grünen Gedächtnis der Heinrich Böll Stiftung gelesen, in denen ich vor allem von einem Herrn Ullmann (an den ich mich nicht mehr erinnern kann) kritisiert wurde, weil ich mich nach seinen Vorstellungen nicht ausreichend für Pädosexuelle einsetzte.

Als dann noch die Sprache auf Daniel Cohn-Bendit kam, war mir auch klar, welche Agenda da abgearbeitet wurde. Ich erklärte ihr, dass ich Daniel als aufrechten Heterosexuellen kenne, der zum Verdacht auf irgendwelche andere Neigungen nicht taugt. Ich hoffe mein Versuch, die von mir vermuteten Gepflogenheiten in einem damaligen antiautoritären Kindergarten zu erklären, ist richtig verstanden worden. Ich habe seit Jahrzehnten keinen Kontakt zu Daniel und ich habe sein Buch, in dem diese Geschichte steht, nie gelesen, auch habe ich nie einen antiautoritären Kindergarten von innen gesehen.

Von mir wurde noch am Rande erwähnt, dass die Schwulen damals nicht mit den Lesben zusammen arbeiteten, die sich damals noch mehr der Frauenbewegung anbiederten.
Auch das war ein Grund, weshalb uns realer sexueller Missbrauch kaum bekannt war. Auf eine unvoreingenommenen Wissenschaft diesbezüglich kann man leider zum Teil noch heute nicht zurück greifen. Das erste nennenswerte Buch zur Homosexualität erschien z.B. erst in den frühen 70er Jahren von Martin Dannecker, der Teil unserer Bewegung war, und Reimut Reiche.

Allgemeiner Anhang:

Die Personengruppe der Journalisten beherrscht den Umgang mit dem gesprochenen oder geschriebenen Wort – allerdings trägt sie keine Verantwortung für praktische Dinge (oder für die Folgen ihrer Handlungen). Ferner fehlen ihr Informationen aus erster Hand, wie man sie nur durch tatsächliche Erfahrung erwerben kann.
Der Ökonom und Politiker Joseph Schumpeter stellt die rhetorische Frage, ob es sich um Leute handele, „… die über alles reden, weil sie nichts verstehen?“ Aus Wikipedia


Freitag, 1. März 2013

Das ist übrigens ein Penis



Unten stehenden Artikel möchte ich den Lesern meines Blog empfehlen, viel Spaß beim lesen!

Männliche Nacktheit

Dienstag, 20. November 2012

Fahrt aufnehmen für den Bundestag!

Auf einem Piraten-Stammtisch in Frankfurt hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Freund, den ich aus der Partei und über Twitter kenne. Es ging um die Kandidaten für die Listen zu den kommenden Wahlen und mein Freund war der Meinung, dass zwischen den Kandidaten natürlicher Weise im Vorfeld eine Konkurrenzsituation entsteht. Das fand meinen Widerspruch.

Bei einem Wahlergebnis von über 5 bis 10% wird die Piratenpartei 3 bis 6 Personen aus Hessen über ihre Landesliste nach Berlin schicken.

Hier ist die Liste für den Bundestag aus Hessen

Viele Frankfurter stehen auf der Liste. Für mich ein Begriff sind:

Christian Bethke

Martina Flasch

Herbert Förster

Katrin Hilger

Herbert Rusche

und

Thorsten Wirth

in alphabetischer Reihenfolge.

Ich gehe davon aus, dass der große Landesverband Hessen nicht mehr als einen "Frankfurter" ganz vorne auf die Liste setzen wird, so dass die Wahl wahrscheinlich nur auf einen dieser Kandidaten fallen wird.

Mit diesen und den Kandidaten außerhalb von Frankfurt, steht dem Landesverband eine Auswahl von völlig unterschiedlichen Bewerbern zur Wahl. Ausschlaggebend wird sein, welche Themen und/oder welche Persönlichkeiten die Mitglieder gerne auf der Liste und evtl. später im Bundestag sehen möchten, nicht ob diese Bewerber sich als Konkurrenten sehen und sich in einem - noch heraufzubeschwörendem - Konkurrenzkampf gegenseitig übertrumpfen.

More to come!

Samstag, 30. Juni 2012

Presse und Fernsehen unterstützen sexuellen Missbrauch

Was ist sexueller Missbrauch und ab wann muss man darüber berichten.

Fragen, die sich Medien wie der hessische Rundfunk, die Frankfurter Rundschau usw. so lange nicht stellen, bis es irgendwann Opfer und Opferverbände gibt, die keine Ruhe mehr geben, um zu gewährleisten, dass die ungeteilte Aufmerksamkeit auf "ihr" Problem gerichtet ist. Bis es soweit ist, das haben wir in den letzten Jahren aus den Skandalen an Schulen, Internaten und kirchlichen Einrichtungen erfahren, wird es viele Opfer geben.

Konkreter Fall:
Eine buddhistische Einrichtung in Frankfurt wirbelt seit vielen Jahren die Werbetrommel in eigener Sache und wird immer wieder gerne besucht wenn mal wieder über Buddhismus berichtet werden soll. Der junge "Abt" dieser Einrichtung macht junge Männer und Frauen zu "Mönchen" und "Nonnen", darunter vor allem westliche Männer. Diese sind vorzugsweise jung, schlank, gut aussehend und hoch gewachsen. Immer mal wieder gab es Gerüchte und Meldungen aus dem "Kloster", dass es dort zu sexuellen Übergriffen in der klösterlichen Gemeinschaft kam. Diese wurden vor einige Zeit insoweit konkret, dass eidesstattliche Versicherungen von jungen Männern, die mittlerweile nicht mehr in dieser Einrichtung leben, vorliegen. In diesen Erklärungen wird ausführlich von sexuellem Kontakt zwischen dem Abt und seinen jungen Mönchen berichtet und über die zurückgebliebene Enttäuschung der jungen Männer.
Juristisch ist hier nichts zu machen, da das "Kloster" keine offizielle Einrichtung ist und der "Abt" keinen wie auch immer anerkannten Status als Lehrer, Pfarrer, Leiter oder Therapeut hat. Die Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses kommt daher anscheinend nicht in Frage. Die Jungs waren zum Zeitpunkt der sexuellen Übergriffe über 16 Jahre alt und sind damit über dem seit 1994 geltenden "Schutzalter".
Text des §182

Mit etwas Recherche ist all dies und die Diskussion darüber, vor allem vor Ort, leicht heraus zu finden. Es gibt Blog Einträge, nicht nur hier, die auf das Geschehene und nie aufgearbeitete Problem hin weisen.

Viele Details zu diesem Geschehen sind hier in früheren Beiträgen und auch
"in diesem Blog unter "Beliebte Posts""
zu finden.

Trotzdem begegnen einem immer wieder Berichte und Artikel, die auf diese Einrichtung und deren neue Präsenz auf dem Lande hinweisen. Kein Wort darüber, dass unter dem Vorwand von Buddhismus und einem enthaltsamen Lebenswandel, junge Männer rekrutiert und teilweise sogar von ihren Eltern geschickt werden.
Die Frage ist, ob diese Missbrauchsopfer, ähnlich wie bei Einrichtungen aus den 50er und 60er Jahren, erst alte Männer werden müssen, bis ihr Problem bekannt gemacht wird, die Medienaufmerksamkeit groß ist und nach Schuldigen gesucht wird.

Die Doppelmoral unter buddhistischen Asiaten scheint in ihrer Dimension der der katholischen Kirche in nichts nachzustehen. Natürlich ist auch das Dilemma klar in dem dieser Abt lebt. Es ist der Mönchs-Status, der ihm viele Spenden, vor allem von der vietnamesischen Exilgemeinde bringt. Die uns Europäern vernünftig erscheinende Konsequenz, die Robe abzulegen und als schwuler Mann in einem Verhältnis oder eben auch promisk zu leben, scheint in der asiatischen Kultur, zumindest öffentlich und ehrlich, nicht vorgesehen zu sein und ist daher für den Abt und seine Anhänger keine Möglichkeit.

Die Hoffnung, dass wenigsten unsere aufgeklärten Medien helfen solchen Missbrauch aufzuarbeiten, oder zumindest verhindern helfen, dass er immer weiter geht, wird hier leider seit Jahren immer wieder enttäuscht. Auch die gescheiterte Aufnahme der Einrichtung unter der Leitung dieses Abtes in die
Deutsche Buddhistische Union (DBU)
und der Ausschluss dieses Mannes aus dem
Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft (Mönche und Nonnen) (DBO)
scheint für die Medien keine Rolle zu spielen.
Die bevorstehende Eröffnung eines hippen vegetarisch/veganen Restaurants des Klosters mit Hilfe einer großen deutschen Bank wird der nächste Beweis sein, dass man etwas medial hoch lobt ohne wirklich zu schauen, welchem Missbrauch man hier ungewollt(?) Unterstützung gibt.

Freitag, 22. April 2011

Pierre Vogel und das Paradies in Frankfurt

Als ich vor einigen Tagen davon hörte, dass der Ex-Boxer, Islamist und Heuchler Pierre Vogel in Frankfurt "missionieren" wollte, hatte ich eigentlich vor, einen Infostand unter dem Thema "Alternativen zum Islamismus" anzumelden. Die Kürze der Zeit und erste Meldungen, dass Vogels Auftritt nicht erlaubt werden sollte, brachten mich von diesem Vorhaben ab.

Nun wollte ich wenigstens nachsehen, ob das Verbot durchgesetzt war oder ob dieser Herr Frankfurt islamisieren darf.

Kurz nach 18:00 Uhr traf ich mit einer burmesischen Freundin an der Hauptwache ein. Dort war, von Polizei eingekreist, ein Stand von Tierschützern, die wohl nichts mit Islam, außer vielleicht einer kritischen Haltung zu tierquälerischen Schächtung, zu tun hatten. Ein weiterer Stand mit Megaphon war, nach meiner Wahrnehmung, von Autonomen und Antifaschisten aufgebaut. Sie gaben einer Sprecherin des Rates der Ex-Muslime Gelegenheit zu berichten, was politischer Islam am Beispiel Iran vor allem für Frauen bedeutet.

Vereinzelt waren auch ziellos herum laufende Damen mit Kopftüchern und manche mit Teil- und Ganzverschleierung sowie Herrn mit Käppchen und Tropenanzügen zu sehen, die aber nicht als Gruppe auszumachen waren.

Einige junge Herren, die man gar nicht richtig zuordnen konnte, wurden von der Polizei gejagt, festgenommen und bekamen Platzverweis. Später hörte ich, das waren Rechte.

Kurz vor 19:00 Uhr wurde es an der Katharinenkirche lebhaft und ein ganzer Pulk bärtiger Herren mit Tropenanzügen und Pierre Vogel in ihrer Mitte eilten, die Hauptwache hinter sich lassend, zum Goetheplatz.

Hier stand ein Wagen mit Lautsprechern bereit für Vogel und seine Begleiter. Verschiedene Gruppen und Einzelpersonen wurden von der Polizei abgehalten, den Goetheplatz zu betreten. Ich hatte keine Probleme mit auf den Platz zu gehen und stand alsbald in einer Gruppe junger Männer vor dem Lautsprecherwagen. Pierre Vogel war nicht zu verstehen, er nuschelte und ich erlaubte mir den Zuruf "Sprich deutlich oder sei gleich ganz ruhig". Das rief, kaum hatte ich diesen Zwischenruf getan, einen zornigen Jüngling auf den Plan, der mir ohne Vorwarnung mit einem Sprung einen Tritt in den Bauch verpasste. Er war zu der Seite der Polizei von mehreren anderen Jugendlichen verdeckt, also nicht sichtbar. Nach dem Tritt wurde der junge Mann von mehreren seiner Freunde, welche vorher die Sicht der Polizei auf ihn verhindert hatten, festgehalten. Nun bekam ich von einem etwas älteren Jugendlichen den Rat: "Verschwinde hier! Wenn Du beschützt werden willst, dann geh rüber zur Polizei, die beschützen Dich. Hier beschützt Dich keiner!"

Das waren also die freundlichen Herren mit der Einladung zum Paradies. Während Vogel auf der Bühne seinen Freunden akustisch schwer zu verstehendes, durchmischt von Ruhrplatt und Arabisch vortrug, verließ ich den Platz, um die Andacht der islamistischen Adrenalinjunkies nicht weiter zu stören. Die einzig erlaubten Zwischenrufe auf dem Platz waren Allah Akbar.

Am Rande des Platzes sah ich dann eine Auseinandersetzung zwischen jugendlichen Vogeljüngern und einem Mann zwischen 40 und 45. Dem Mann wurde angedroht, dass man ihm die Brille abnehmen will, damit man ihn besser verprügeln könne. Als man die Polizei zu Hilfe gerufen hat, bestanden diese kleinen islamistischen Dumpfbacken darauf, das sowas (Brille abnehmen) zu sagen bzw. anzudrohen, zur "freien Meinungsäußerung" gehört.

Den Vortrag von Vogels "Überraschungsgast", der mittlerweile ausgewiesen wurde, und der vor allem dadurch bekannt ist, dass er die Hinrichtung für Homosexuelle fordert, habe ich dann nicht mehr mitbekommen, weil ich wichtigeres zu tun hatte.

Sonntag, 10. April 2011

500 Dollar waren damals mehr als nur eine Hand voll.

Nicht alle Männer die ich in jungen Jahren in Heidelberg kennen lernte, lebten Inkognito. Je mehr sie sich unbeobachtet fühlten und je weiter sie weg von zu Hause waren, um so leichter fiel es ihnen "out of the closet" zu sein.
So war ich mit einem jungen Amerikaner namens Gilbert Newlands aus Cleveland, Ohio zwischen meinem 17. und 18 Lebensjahr befreundet. Gilbert, den ich leider in späteren Jahren bei meinen Besuchen in den Vereinigten Staaten nie ausfindig machen konnte, studierte im Heidelberger Schiller College und wohnte in Ziegelhausen bei Heidelberg.

Er war der Spross einer reichen Familie in Cleveland und hatte jeden Monat 500 US-$ zur Verfügung, was 1969/1970 noch sehr viel Geld in Deutschland war. Soweit ich mich erinnere stand der Kurs damals 1,- US-$ zu ca. 4,- DM. Gilbert war sehr großzügig und freute sich in mir jemanden gefunden zu haben, mit dem er sein Geld ausgeben konnte. Mehr als einmal war ich eingeladen mit Gilbert eine mehrtägige Fahrt in seinem VW Käfer Cabriolet zu unternehmen. Eine davon führte uns nach Paris und war meine erste und zugleich letzte Reise in diese Stadt.
Zu meinem 18. Geburtstag bekam ich eine vergoldete Kette für das Handgelenk mit der Gravur Herbert und auf der Innenseite G.N. to H.R. 1970, die sich noch heute in einem kleinen Kästchen in meinem Schrank befindet.

Sicher ist dieser Beitrag kein große Nachricht für Außenstehende. Die Möglichkeit und der Versuch aber, dass nach dieser langen Zeit ein Gilbert Newlands in Cleveland, Ohio, oder eine/r seiner Nichten und Neffen, oder gar Söhne, Töchter oder Enkel nach seinem Namen googelt und damit nach 41 Jahren, durch technische Errungenschaft von heute, wieder ein Kontakt zustande kommt, ist es mir wert.

Samstag, 6. März 2010

Sexueller Missbrauch - Viele Facetten

Sehr interessant, was alles in der heutigen Zeit als Missbrauch gewertet wird bzw. werden kann. Für mich schält sich dabei mehr und mehr heraus, dass sexuelle Kontakte vor allem dann missbräuchlich sind, wenn eine/r der Beteiligten sich wegen körperlicher Überlegenheit der/s anderen nicht wehren kann, oder sich dem sexuellen Wünschen des Gegenübers aus anderen Gründen nicht entziehen kann. Auch scheint man bei den "Übergriffen" immer mehr die Gewalt mit einzubeziehen. Erziehungsberechtigte scheinen, mit nicht wenig Lust, noch vor wenigen Jahren auf Zöglinge immer wieder und heftig eingedroschen zu haben.

So ging es auch, wenngleich in relativ geringem Ausmaß, im Heidelberger Friedrichsstift, einer evangelischen Internatseinrichtung, auch Schülerheim genannt, in der Bergstraße 106 in Heidelberg-Handschuhsheim, zu. Der Pfarrer, der dieses Haus leitete und dort auch mit Frau und Sohn lebte, hat durchaus das ein oder andere mal kräftig zugeschlagen, wenn er sich pädagogisch nicht mehr anders zu helfen wusste.

Eine ganz andere Form von Missbrauch, die damals wie heute mehrheitlich fälschlicher Weise nicht als Missbrauch empfunden wird und sich mit dem zu dieser Zeit üblichen Umgang mit dem Thema erklären lässt, fand im Zusammenhang mit Homosexualität statt. Zwei Schüler die im Friedrichstift diese Neigung bei sich entdeckten und einen der seltenen Freiräume im Speicher des Hauses nutzten um ihrer gegenseitige Zuneigung Raum zu geben und ihre Sexualität zu erkunden, traf der Bannstrahl der Internatsleitung. Unter den anderen Schülern des Heims gab es nur spärliche Informationen und diese wurden nur unter vorgehaltener Hand verbreitet. Die beiden Schüler die irgendwann "erwischt" worden waren, wurden danach streng getrennt gehalten und mussten sich einzeln den Befragungen des Pfarrers unterziehen. Dies geschah ca. 2 Jahre vor einer ersten Liberalisierung des § 175 und war wohl damaliger Standard nicht nur im Friedrichstift, einem Haus des evangelischen Melanchthonvereins welcher bundesweit noch mehrere Häuser unterhielt.

Mir selbst wurde später ein Zutritt zum Stift und der Besuch von alten Internatskameraden verwehrt, nachdem ich mich bereits mit 17 Jahren, damals eine große Seltenheit, soweit möglich zu meiner Homosexualität bekannte.

Mittwoch, 26. August 2009

Sexueller Missbrauch - sexual abuse

So können Berichte über sexuellen Missbrauch aussehen. Die Namen sind austauschbar und die "Sekten" auch:

Der mutmaßliche Sektenführer S. muss sich wegen Kindesmissbrauch verantworten. Vor Gericht erklärte der 40-Jährige dezidiert, dass er sich nur für junge Männer interessiere - im Alter von 17 bis 20 Jahren.

München - "Ich habe keine Kinder missbraucht. Das versichere ich Ihnen", erklärte Esoteriker und mutmaßliche Sektenführer am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40-Jährigen vor, sich an Jungen und Mädchen vergangen zu haben. Insgesamt sei es zu über 100 Übergriffen gekommen. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den mutmaßlichen Opfern meist um Kinder von Anhängern der Sekte. S. soll dabei ausgenutzt haben, dass diese ihn als Vaterfigur und Guru sahen. Teilweise habe er die Übergriffe als spirituelle Übungen erklärt.

Die Beschuldigungen gingen auf ein Komplott zurück, wehrte sich S. vor Gericht. In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung sprach er von einer Verschwörung gegen ihn. Geschäftspartner und ehemalige Vertraute hätten ihn aus Neid und Missgunst vernichten wollen.

Die ihm vorgeworfenen Handlungen bezeichnete der Angeklagte als "horrende Schweinereien". Mehrfach versicherte S. dass er Kinder liebe und die Kinder ihn liebten. Er selbst sagte, er sei homosexuell und interessiere sich, solange er denken könne, für junge Männer im Alter von "17, 18, 19, 20".

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass S. seit Jahren eine Gruppe von Anhängern um sich geschart hat, die ihn als Guru und geistigen Führer ansahen. Mit ihnen lebte er zusammen.

Hier geht es zum zugrunde liegenden Spiegel-Artikel!

Freitag, 10. Juli 2009

Was ich noch sagen wollte

Selbstverständlich sind die Aussagen nicht so pauschal gemeint wie sie in dem vorgehenden Beitrag erscheinen. Ein bisschen Provokation macht vielleicht wach, das war meine Hoffnung dabei.

Männer sind Schweine ist ein geflügeltes Wort und wird als Synonym für ein rücksichtsloses, nur den eigenen Interessen dienendes, Verhalten, das meist eine gewisse Art von Männern auszeichnet, verwendet. Vermutlich tut man den armen Tieren (Schweinen) unrecht, sie für so ein typisch menschlich/männliches Verhalten als Beispiel zu nehmen.

Da ich schon seit vielen Jahren mit Frauen und deren Emanzipationsbewegung in enger Nachbarschaft politisch arbeite, habe ich mich immer zusammen mit den Frauen geärgert, wenn bei sexuellen Belästigungen die Handlungen der "Täter" relativiert wurden und die "Opfer", noch zu dem was sie ertragen mussten, unter Rechtfertigungsdruck kamen. Dass es Frauen gibt, die in so einem Fall wenig Sensibilität an den Tag legen, war mir neu und fand ich daher erwähnenswert.

Es gibt immer viele gute Gründe, dass so ein Geschehen möglichst nicht oder möglichst nicht jetzt usw. an die Öffentlichkeit kommt. Im Interesse von Klarheit und Wahrheit ist es aber wichtig, solche Vorkommnisse nicht zu unterdrücken und zu verschweigen.

Es ist besser, wenn man offen und ehrlich mit diesen Themen umgeht wann immer sie auftauchen. Taktieren, Verschieben oder gar Verdrängen sind als Verhaltensmuster in vielerlei Hinsicht gefährlich und auf jeden Fall nicht zu empfehlen. Ehrlichkeit, Mitgefühl (auch und vor allem mit den "Opfern", also den Schwachen) und Bereitschaft zur Auseinandersetzung sind dagegen hilfreich und heilsam.


Kleiner witziger Vers zum Thema:

Oh, hüte Dich vor allem Bösen!
Es macht Pläsier, wenn man es ist,
es macht Verdruß, wenn man's gewesen.

Onkel Nolte (W.B.)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Männer sind Schweine - und Frauen....?

Vorfall: Eine Sexuelle Belästigung.

- Die belästigte Person äußert sich in einem Internetforum, mehr aus der Motivation heraus, andere vor Belästigung und Missbrauch zu schützen, als den eigenen Vorfall publik zu machen.

Aus dem Mitarbeiterstab und Freundeskreis des Belästigers melden sich mehrere Personen zu Wort:

- Eine Person schlägt vor den Beitrag im Internet zu zensieren. Wenn man Probleme mit Zensur hat, dann soll man einen technischen Defekt, des Forums in welchem der Beitrag veröffentlicht ist, vortäuschen und den Beitrag damit unzugänglich machen.

- Eine weitere Person meldet sich zu Wort und berichtet, dass die belästigte Person zu Lügen neigt.

- Eine andere Person meldet sich zu Wort, und sagt sie habe gehört, das diese Person seltsam und unzuverlässig sei.

- Wieder jemand anders meldet, dass diese Person bei verschiedenen Bewerbungen abgelehnt worden sei (ohne Nennung von Gründen der Ablehnung und Orten).

- Eine Person von Außerhalb meldet sich zu Wort, befand die Aussagen nicht ausreichend belegt, kündigt der betreuenden Person des veröffentlichenden Forums die Zusammenarbeit auf und beschimpft sie heftig.

- Zu guter Letzt kommt noch jemand dazu, der zu bedenken gibt, dass das Ganze auch eine Verschwörung sein könnte und die belästigte Person von Verschwörern aufgestachelt wurde.

Spontan kommt einem beim Lesen über dieses Ereignis, und dem Umgang damit, die Idee, dass es sich einmal mehr um eine belästigte Frau handelt.
Man denkt, die Männer unserer Macho-Gesellschaft sind sich mal wieder einig darüber, dass diese Frau irgendwie den Missbrauch selber verschuldet hat und der Täter eigentlich nichts dafür kann, bzw. so etwas,ohne dazu animiert zu werden, nie tun würde.

Weit gefehlt!

Bei der belästigten Person handelt es sich um einen jungen Mann der von einem Vorgesetzten, bzw. einer Respektsperson, sexuell belästigt wurde.
Bei den Personen welche die oben genannten Einwände vortrugen handelte es sich ausnahmslos um Frauen!

Frauen....auch!
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Montag, 6. Juli 2009

Gericht in Indien "erlaubt" Homosexualität


Neu Delhi (AFP) — In einem historischen Urteil hat die indische Justiz ein seit der britischen Kolonialzeit geltendes Verbot von Homosexualität aufgehoben.

Das Hohe Gericht in Neu Delhi hat nun endlich nach jahrelanger Befassung mit dem geltenden Recht und der gelebten Realität in Indien und New Delhi die Bestimmung im indischen Strafrecht, die "widernatürlichen Geschlechtsverkehr" unter Strafe stellt, als das erkannt, was es ist: Diskriminierend und ein Verstoß gegen die Grundrechte.

Natürlich melden sich die Freunde des Mittelalters, und die, welche sich selbst zu Vertretern ihres Gottes bzw. ihrer Propheten ernannt haben, wieder zu Wort und wettern wie üblich gegen das, nun auch noch staatlicherseits erlaubte, "sündige" Treiben. Die Verlogenheit, Bigotterie und Doppelmoral der "alten" Moslems und Christen führt dazu, dass sie sich immer mehr in die Lächerlichkeit begeben. Selbstständig denkende Menschen werden sich diesen Predigern und ihrer abstrusen Moral, künftig auch in Indien, immer seltener ausliefern.

Freitag, 19. Juni 2009

Sexueller Missbrauch und Buddhismus


Sexueller Missbrauch - dieser Begriff steht meist als Sammelbegriff für Verhalten, welches sexuelle Kontakte herbeiführt die nicht auf gegenseitigem Einvernehmen beruhen. Daher kann unter diesen Begriff sowohl eine Vergewaltigung als auch die Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses im weitesten Sinne fallen.

In einem Treffen buddhistischer Lehrer mit dem Dalai Lama wurde ein offener Brief verfasst in dem unter anderem dieser wichtige Abschnitt zu finden war:

Die Position eines Einzelnen als Lehrer erwächst in Abhängigkeit aus der Nachfrage seiner oder ihrer Studenten, nicht einfach aus der Ernennung durch eine höhere Autorität. Daher muss der Student große Sorgfalt bei der Auswahl eines geeigneten Lehrers walten lassen. Ihm muss ausreichend Zeit gewährt werden, seine Wahl zu treffen, die auf persönlicher Erforschung, Vernunft und Erfahrung beruhen sollte. Studenten sollten vor der Gefahr, Charisma, Scharlatanerie oder Exotismus zum Opfer zu fallen, gewarnt werden.

Es ist eine Frage der Zeit, bis die Mechanismen, die bei den christlichen Kirchen zu sexuellem Missbrauch führten, auch bei buddhistischen Einrichtungen vorkommen werden. Deshalb ist es wichtig mit Sexualität offen umzugehen und nicht einfach frömmelnd so zu tun als wenn sie bei Buddhisten kein Thema wäre. Auch wäre es gut in Sachen "unter den Teppich kehren" und Doppelmoral von den Vorkommnissen in den christlichen Kirchen zu lernen und nicht die gleichen Fehler zu machen.

Unter dem Titel

Tolerant ist nicht, wer Missstände ignoriert
ist folgendes im Internet zu finden:

sexueller Missbrauch
• Lehrerposition wird für persönliche Wünsche und Begierden ausgenutzt
• Automatische Rechtfertigung des Lehrers durch die Anderen, wie findet das Opfer Gehör?
• Ein Dharma-Lehrer muss berücksichtigen, dass Schüler sich ihm gegenüber nicht unbedingt wie verantwortliche Erwachsene verhalten
• Bei vielen Opfern spielt sich eine Wiederholung alter leidvoller Erfahrungen ab.
• Bei manchen Opfern gibt es durchaus auch eigene Wunschfantasien

Lösungen:
• Mehr, gründlichere und authentische Dharmakenntnisse
• Mehr Kenntnisse über die Gefahren vermitteln
• Die eigene Kritikfähigkeit beibehalten, kein blinder Glaube
• Lehrer und Gruppen gründlich und länger prüfen
• Nicht immer gleich die höchsten Wege gehen wollen
• Den Vinaya kennenlernen, da gibt es viel über Sangha-Erfahrungen zu lernen
• Aufstellen eines Lehrer-Verhaltenskodex
• Einrichtung eines Ethikrates oder von Vertrauenspersonen

Es scheint so, dass auch in den buddhistischen Ländern selbst eine beachtliche Verdrängung der sexuellen Realität stattfindet, so dass wir nicht hoffen können von dort allzu viel Beispielhaftes zu lernen. In einem Gespräch das ich vor kurzem mit einem thailändischen Buddhisten führte, wurde mir von einer Umfrage erzählt, deren Ergebnis war, dass fast die Hälfte aller männlicher Jugendlichen ihre erste sexuelle Erfahrung in einem Tempel machten. Ob die sexuellen Kontakte mit Personen aus dem Kloster stattfanden oder unter den Jugendlichen während einer temporären Ordination konnte mein Freund nicht beantworten, da die Fragestellung nicht auf dieses Ergebnis eingestellt war. Die Initiatoren der Umfrage waren sehr überrascht und haben sie erstmal nicht veröffentlicht.

Dienstag, 12. Mai 2009

Homosexuelle Männer:
Keine Rehabilitierung der 175er

Männer die nach 1945 unter dem selben, von den Nazis verschärften, § 175 verurteilt wurden wie vor 1945 sollen nicht rehabilitiert werden.

Entsprechende Anträge der Grünen und der Linken wurden abgelehnt. Das zeigte die Debatte des Bundestages am 6. Mai. Linksfraktion und Grüne hatten Anträge vorgelegt, in denen sie übereinstimmend eine gesetzliche Rehabilitierung und Entschädigung gefordert hatten. Das Parlament lehnte beide Initiativen mit der Mehrheit der Fraktionen CDU/CSU und SPD sowie der FDP-Fraktion gegen die Stimmen der Antragsteller ab.

Ein CDU-Abgeordneter argumentiert, es gehe nicht nur um das Leid homosexueller Mitbürger, sondern um die grundsätzliche Frage, ob eine Parlamentsmehrheit rechtskräftige Urteile unabhängiger Gerichte aufheben könne. Das Ziel beider Anträge halten auch SPD-Parlamentarier für "nicht realisierbar"

Bereits in den 90er Jahren wurden die nach 1945 verfolgten und kriminalisierten Homosexuellen von der Rehabilitation ausgenommen und lediglich die vor 1945 von den Nazis verurteilten Männer rehabilitiert.

Artikel: Als Liebe strafbar war

Dienstag, 28. April 2009

Weg mit dem § 175
Erste Liberalisierung 1969, vor 40 Jahren


Der sogenannte Schwulenparagraph 175 war in Deutschland seit 1871/1872 geltendes "Recht". Er wurde von den Nationalsozialisten 1935, unmittelbar nach dem Röhm-Putsch noch verschärft. In dieser Form blieb er, trotz mehrerer Verfassungs- beschwerden in den 50er und 60er Jahren, unverändert bis 1969 Gesetz.

Erst im September 1969 wurde ein neues Sexualstrafrecht verabschiedet, unter dem auch einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern (das bedeutete damals ab 21 Jahren) nicht mehr unter Strafe gestellt waren.

Die Fakten zur Geschichte dieses § sind sehr anschaulich unter folgendem Link zu finden:
Als Homosexualität noch strafbar war: "§175 StGB - Unzucht zwischen Männern"

Hier möchte ich mehr mein eigenes Erleben dieses Ereignisses schildern:
In eben diesem Jahr 1969 hatte ich als 17jähriger das, was man heute ein "coming out" nennen würde. Nachdem ich bereits im Alter von 15 Jahren erste homosexuelle Kontakte in Heidelberg und benachbarten Städten hatte, brauchte ich zwei Jahre um mich über die gesellschaftlich vermittelten und natürlich auch von mir verinnerlichten Vorurteile und Missbilligungen hinweg zu setzen.

Die "erwachsenen" sprich volljährigen Schwulen, die ich in dieser Zeit kennen lernte waren allesamt geprägt von der repressiven Zeit der 50er und 60er Jahre und der Zeit davor. Fast alle führten ein Doppelleben von dem ich als einerseits begehrter Jugendlicher, als andererseits sowohl vor als auch nach der Paragraphenliberalisierung als "verbotene Frucht" nur mit dem unterdrückten und nicht offiziellen Teil in Berührung kam.

Von diesen "Freunden" war in dieser Zeit leider keine Unterstützung für eine Identitätsfindung zu erwarten. Als Ergebnis fasste ich damals den Entschluss, nie selbst ein solches Doppelleben zu führen.

Gleich nach der Liberalisierung kam die erste bundesweit in Kiosken erhältliche Schwulenzeitschrift "Du & ICH" heraus, die sich eine Zeit lang das Nachseptembermagazin nannte, weil die damalige Liberalisierung des § 175 ab dem 01.September 1969 galt. Leider war kein Kioskbesitzer bereit, dieses neue Presseprodukt an einen 17jährigen zu verkaufen. Ich glaube ich musste zu einem etwas älteren Herren damals sehr nett sein, damit er diese Zeitschrift am Bahnhofskiosk in Heidelberg für mich kaufte.


Bild rechts: Als 17jähriger in der "Kommode" bei "Wilma" in Mannheim-Feudenheim.

In Heidelberg wurde die Studentenbar Whiskey a go go unter "Wally" ein Monat vor der Liberalisierung zum einzigen Schwulenlokal der Stadt. Nur in Mannheim und Ludwigshafen gab es vorher schon Wilmas Kommode, Ludwigs Treffpunkt und Tscherters Kellerbar in denen es auch Winkel und Nischen gab, in denen man sich als Jugendlicher mit Duldung der jeweiligen Besitzer aufhalten durfte. Meist waren diese Plätze im hinteren Teil der Lokale in der Nähe des Notausgangs zum Hof, den ich/wir sofort aufzusuchen hatten, wenn im vorderen Teil des Lokals Polizeimützen sichtbar wurden.

Sonntag, 22. März 2009

Gestatten, ich bin schwul


Bild links: Der sich offen zu seiner Homosexualität bekennende jüngste Bürgermeister in Bayern, Michael Adam.

Da ich mich vor vielen Jahren entschieden habe offen so zu leben wie ich bin, führte das auch dazu, dass ich mich auf allen gesellschaftlichen Ebenen als Homosexueller bekannte. Das bedeutete weder damals noch heute, dass ich eine pikante private Schweinerei präsentieren wollte. Vielmehr ist es, dass ich mir als Mann der Männer mag das erlauben will, was jeder Mensch der einen oder mehrere Menschen des anderen Geschlechts liebt, mit großer Selbstverständlichkeit immer wieder tut. Mit jedem "darf ich vorstellen: das ist meine Frau, das ist mein Mann, das ist mein Kind, das sind meine Kinder, Freund, Freundin etc." tut der gewöhnliche Heterosexuelle, allgemein akzeptiert und begrüßt, seine Heterosexualität kund. Dies ist sogar ziemlich einfach, weil von den Mitmenschen von vornherein jedem Mann und jeder Frau Heterosexualität unterstellt wird.

Heterosexualität wird auch erstmal jedem/r Homosexuellen unterstellt. Um klar zu stellen, das der Freund, den man vorstellt, nicht ein Skatbruder oder ein Team-Freund vom Fussballplatz ist, oder bei Frauen die Freundin nur eine Bekannte vom Kaffeekränzchen ist, sollte man zunächst mal klären um welche Art von Verhältnis es sich handelt. Dies ist man nicht nur seinem Gegenüber, sondern auch seinem/r Lebenspartner/in und sich selbst schuldig. Auch als "Single" ist es mitunter wichtig seine diesbezügliche Orientierung zu erwähnen, damit keine Missverständnisse entstehen können.

So kam es, dass ich zunächst meine Mutter als Jugendlicher mit meinem "So-sein" konfrontierte. Bei der Ausbildung und später bei der Arbeit führte "dieses Thema" mehrfach zu Jobverlusten. Mitte der siebziger Jahre bekannte ich in der Illustrierten "Stern" zusammen mit über 600 anderen Männern: "Ich bin schwul!".

Mein schwulenpolitischen Engagement bewahrte mich mit davor, mich irgendwelchen damals einigermaßen angesagten "K"-Gruppen anzuschließen. Diese erklärten das Thema zu einem "Nebenwiderspruch" der eines Tages gelöst wird, wenn der "Hauptwiderspruch" gelöst und aufgehoben worden ist. Als dann noch Berichte aus China kamen, in denen geschildert wurde, dass irgendwelche revolutionäre Volkstribunale lesbische Frauen zwangsverheiratet hatten, war mir restlos klar, das das mit mir nichts zu tun haben konnte. Als es zur Gründung der Grünen kam, bei welchen mir die angegangenen Themen Ökologie, Frieden und Gewaltfreiheit sehr zusagten und wo auch eine gewisse Aufgeschlossenheit dafür bestand, dass sich Schwule mit ihren politischen Anliegen einbrachten, war ich von Anfang an dabei.

Auch auf religiösem Gebiet begegnete mir in diesem Zusammenhang nicht viel Entgegenkommendes. Es kann davon ausgegangen werden, dass die heiligen Bücher gewisser Religionen fast immer von Vertretern der heterosexuellen Mehrheit geschrieben wurden. Auch wenn diese Propheten, Schriftgelehrten und anderen Schreiber sich als universelle Stimme Gottes empfanden, war aus ihrer begrenzten Sicht für Menschen mit einer starken Zuwendung zum eigenen Geschlecht kein Platz in ihrer "heiligen" Schrift oder gar in ihrem gelobten Land.

So kam ich, in für mich logischer und konsequenter Folge, unter anderem auch aus diesen Gründen zum Buddhismus. Hier waren die Meinungen von Menschen eben nur Meinungen, mehr nicht. Filtert man Kulturelles und Persönliches der Meinungsträger heraus, dann bleibt an Schwulenfeindlichem und Homophobie im Buddhismus nichts übrig. Selbst der Dalai Lama musste auf Nachfragen, von Schwulenaktivisten aus den USA, ob der Buddha sich jemals ablehnend über Homosexualität geäußert hat, mit "I don't know" antworten.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Schüsse in München



Immer wenn ich nach München komme erinnern mich die Zeitungs- kästen der lokalen Presse, die in der Innenstadt an vielen Straßenecken stehen, an ein Ereignis. Eines Morgens vor vielen Jahren, schaute mir aus diesen Kästen mein eigenes Gesicht mit einer Verletzung auf der rechten Wange entgegen.

Am Abend zuvor hatte ich beabsichtigt, bei der lokalen Schwulengruppe VSG einen Vortrag zum Thema § 175, und zu den parlamentarischen Möglichkeiten ihn abzuschaffen, zu halten.

Nachdem ich mich vorgestellt hatte und gerade mit meinem Vortrag anfangen wollte, regten sich ca. 10 junge Männer im Publikum. Sie zerschlugen Flaschen auf den Tischen und bedrohten die Anwesenden mit den Hälsen der abgebrochenen Flaschen. Sie gaben sich mit dem Ruf "Schwule sind keine Deutschen" als Neonazis zu erkennen. Ein dicker blonder Mann mit einem weißen Tuch vor dem Mund schoss mit einer Pistole in meine Richtung. Im allgemeinen Durcheinander von Leuten, die sich unter die Tische in Sicherheit brachten oder dabei waren fluchtartig den Saal zu verlassen, versuchte ich dem Schützen die Waffe abzunehmen. Es musste sich um eine Gas- oder Schreckschusspistole handeln, da ich keinen Schuss verspürt habe obwohl er aus der Nähe mehrfach in meine Richtung geschossen hatte. Im Gerangel um die Waffe, zog er diese hoch und schoss damit direkt in mein Gesicht, was zu einer Platzwunde auf meiner Backe führte.

Als nach einiger Zeit die Polizei, ein Krankenwagen und ein Pressefotograf auftauchten, waren die Angreifer, bis auf einen besonders patriotischen 16jährigen, den man festhalten konnte, verschwunden. Der Fotograf hat das Bild gemacht, welches am nächsten Morgen in den Schaukästen unter der sinngemäßen Überschrift "Neonazi schießt auf Grünenpolitiker" zu sehen war.

Ein älterer Herr, Besitzer eines Schreibwarenladens bei dem ich die Zeitungsartikel kopierte, sagte mir sehr förmlich und wirklich empört, nachdem er das Bild gesehen und den Artikel gelesen hatte: "Sowas geht nicht! Im Namen aller anständigen Münchner möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen!"
 
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Montag, 9. Februar 2009

Heterosexualität ist heilbar! Ignoranz auch?

Wieder und wieder bekommen die Schwulen und Lesben die Botschaft von den Vertretern Gottes auf Erden gesteckt, dass sie krank sind und dass man Mitleid mit ihnen hat, aber man ihnen dennoch nicht erlauben kann ihre sexuelle Neigung auszuleben, weil Sünde. Aktuell hat sich der neue, bereits wieder verglühende, Stern am katholischen Himmel, der ehemals designierte Linzer Weihbischof Gerhard Wagner, entsprechend geäußert.


Ein Glück, dass ich Buddhist bin. Die Silas gelten für alle gleich. Es ist völlig egal mit welcher sexuellen Orientierung man sich mit ihnen beschäftigt. Besonders wichtig hierbei, die Silas sind keine Gebote, sondern Empfehlungen, sogenannte Tugendregeln. Für mich völlig unverständlich wie sich Menschen anmaßen können anderen in einem solchen Bereich Vorschriften zu machen. Noch unverständlicher wie sich aufgeklärte Menschen von solchen selbstherrlichen Verkündern verunsichern lassen können.

Montag, 19. Januar 2009

CSD: Wie die Heteros?

Mittlerweile wird Anpassung und Gleichschaltung der Schwulen und Lesben (die eigentlich ganz andere Probleme haben als die Schwulen) mit der heterosexuellen Mehrheit so selbstverständlich als Gleichberechtigung und Emanzipation verkauft, dass es einem fast gar nicht mehr auffällt.

So ist in einem ersten Aufruf zum CSD in Stuttgart zu lesen:

"Aber auch heute, genau 40 Jahre nach den „Stonewall Inn“-Revolten, steht es noch immer nicht in allen Bereichen zum Besten mit der gesellschaftlichen und politischen Akzeptanz von Lesben und Schwulen."


Wird das nun den Schwulen selbst, der dummen, dummen Gesellschaft oder gar der bösen CDU und anderen rückständigen Teilen der Gesellschaft vorgehalten?
Situationsanalyse die wirklich auf die Ursachen zurückfindet und die Zusammenhänge versteht, ist so einfach nicht. So bekommt man bei dem Lamento der Veranstalter auch den Eindruck, dass es sich um ein Naturereignis handelt, gegen dessen Ablauf man eigentlich nichts weiter unternehmen kann, als mit entblößtem Oberkörper auf einem CSD Wagen durch die Stuttgarter Innenstadt zu fahren.

So heißt es weiter in diesem Aufruf:

"Familie findet nach dem Willen vieler konservativer Kreise auch heute noch ohne homosexuelle Menschen statt. Denn: Adoption wird Lesben und Schwulen auch 2009 größtenteils verwehrt."

Familie, so wie ich sie verstehe, ist keine Veranstaltung zu der man eingeladen wird oder nicht. Sie ist etwas das man in seinem eigenen Leben gestalten kann oder nicht. Schon die schwulen Pop-Iconen Sister Sledge haben es 1979 mit ihrer profanen Botschaft "We are family" besser auf den Punkt gebracht als diese gebetsmühlenartig wiederholten Forderungen nach mehr Heteronorm für Schwule.

Weiter unten im Text bekommt man den Eindruck, man hätte bereits einmal im schwulen Paradies gelebt und ist mittlerweile wieder daraus verstoßen:

"Kein Wunder, dass „schwul“ mittlerweile wieder das Schimpfwort Nummer eins an deutschen Schulen ist"

Nun bin ich vermutlich ein paar Tage älter als die Veranstalter und frage mich: war es das zu irgendeiner Zeit mal nicht?

Ich könnte jeden einzelnen Satz dieses Aufrufs kommentieren, möchte aber nicht damit langweilen und nehme das bisher kommentierte als exemplarisch. Viel Neues kommt ja eh in diesem Aufruf nicht mehr und meine Bemerkungen würden sich ähneln.

Die Veranstaltungslosung in diesem Jahr heißt "Macht Mut" und folgende Erklärung dieses Losungssatzes wirft für mich abschließende Fragen auf:

"macht Mut! ist dabei Projektionsfläche für vieles: die Dynamik, die aus dem CSD selbst und der damit verbundenen Aufmerksamkeit für homosexuelle Probleme erwächst; die bisher erreichten Erfolge eines 40 Jahre andauernden Kampfes um Gleichberechtigung; aber auch den immer noch vorhandenen Drang nach weiteren Veränderungen in Gesellschaft und Politik, wenn es um schwule oder lesbische Lebensformen geht."

Wir (die Schwulen) waren in unserem politischen Bestreben schon einmal so weit zu erkennen, dass es einer Aufmerksamkeit für heterosexuelle Probleme bedarf und nicht umgekehrt. In dem Motto "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt" wurde das schon deutlich. Die Aufgabe unserer Aktionen war es dafür ein Bewusstsein zu schaffen (vor allem bei uns selbst) anstatt für Mitleid und Verständnis für uns "arme" Homosexuelle zu werben. Eine Gleichberechtigung im Sinne einer Heterosexualisierung der Schwulen erschien uns zu abstrus um überhaupt Gedanken daran zu verschwenden.

Schließlich musste ich nicht erst Buddhist werden um zu realisieren, dass ich mich und meine Lebensumstände nur selbst ändern kann. Verstehe und akzeptiere ich mich selbst und verändere mich so gut ich kann, nur dann bin ich den ersten wesentlichen Schritt gegangen.

Diese ständig ungehört verhallenden Apelle an Gesellschaft, Politik, Religion und sonstige Gespinster sind nutzlos.

Es ist oft genug nur die Weigerung an sich selbst zu arbeiten indem man lernt sich selbst zu akzeptieren und zu verändern. Veränderung von außen einzufordern ist ja auch einfacher. Das darauf folgende Jammern über die böse intolerante Welt ist eine logische Folge und Teil dieser Art des Handelns.

Link zur Veranstaltung

Montag, 12. Januar 2009

Sex? Bin ich erschrocken...


als ich auf dem auf meine Seite verlinkten Blog Gay West folgende Überschrift entdeckte:

Lieber Herbert Rusche, Sex mit Dir …

was war passiert? Plauderte etwa ein einstiger Onenightstand oder gar eine kürzer oder länger währende Liebschaft in aller Öffentlichkeit intime Details aus? War ich etwa nicht gut (sexueller Leistungsdruck..) gewesen, war ich zu oberflächlich oder zu ichbezogen, bekomm ich nun späte Schelte für jugendliche Sex-Gier, sexuellen Leichtsinn und Übermut? Das waren die Gedanken die mir durch den Kopf gingen bis die Seite mit dem vollständigen Artikel endlich aufgebaut war. Die Fortsetzung des Satzes mit

… hatte ich nie, damals in den frühen 80ern, in den Anfängen der Grünen Partei, obwohl wir damals untereinander nicht besonders monogam waren als grüne Schwulenaktivisten.

erleichterte und freute mich dann ungemein.

Ein damals, und vermutlich auch heute noch, junger Mann kannte mich aus grün/alternativen Anfängen und hat, wie ich, nur schon viel früher, der Partei Die Grünen den Rücken gekehrt.


Lieber Damien,

es ist überraschend wie ich aus der zeitlichen und räumlichen Ferne wahrgenommen werde und deshalb möchte ich mich bemühen ein paar Sachen, die ich aus dem weiteren Beitrag erfahren habe, richtig zu stellen und/oder zu kommentieren.

Buddhist war ich schon drei Jahre bevor ich anfing mich bei den Grünen zu engagieren.

Gegen den § 175 hab ich wissentlich nur zwei oder drei mal verstoßen bis er, der DDR sei Dank, dann endlich gestrichen wurde. Der Grund für diese vergleichbar geringe Bereitschaft diesen § durch häufigen Verstoß zu untergraben, lag nicht an meiner diesbezüglichen Gesetzestreue sondern an meiner damaligen Vorliebe für Männer im Alter von 20+ und 30+ und so. Selbst haarige und hässliche Männer konnten und können mir sehr gut gefallen, weshalb ich auch die Zuschrift mit Schreibstau eines Queer-Lesers auf Deinem Blog sehr witzig finde.

Popper zitieren macht mich nicht zum Liberalen. Mir sagen Menschen grundsätzlich zu, wenn sie was Kluges sagen. Meinetwegen können sie dann auch Liberal, Libertär, Links oder Bürgerlich sein - wenns denn stimmt, weiter bringt und klüger macht. Oder wie Buddha schon vor 2.500 Jahren sagte:

Wovon Weise sagen "das ist", davon sage auch ich "es ist"

Dass "Linke" nicht immer "die Weisen" sind, das ist mir schon vor langer, langer Zeit klar geworden.

So verhält es sich auch mit dem whk. Es ist die erfrischende, kluge und unermüdlich ausgeübte Kritik und Opposition dieser Organisation und ihrer Zeitschrift die mich zum Freund, Mitglied und Unterstützer macht. whk-schimpfe braucht niemand zu fürchten. Man kann immer zurück schimpfen und bringt sich damit gegenseitig oft zu wunderbaren Erkenntnissen. Kurz: Ich bin kein Parteigänger des whk sondern ein freier Mensch was ich schon immer auch früher versucht habe zu sein.

Zuletzt möchte ich Dir noch widersprechen was die Religion angeht. Ein schwuler Buddhist hat es grundsätzlich nur so schwer wie er es sich selber macht. Es gibt weder Papst noch Mullah oder ähnliches, die sich als Sprachrohr höherer Wesenheiten empfinden und ihren neurotischen Kram als Gottes Wort verbreiten. Selbst wenn der Dalai Lama ne seltsame Meinung zum Thema Homosexualität hat, dann ist das seine Sache und hat mit mir nichts zu tun. Allenfalls stell ich mir die Frage wer auf die verrückte Idee kommt, dass ein Mönch kompetente Auskunft über Sexualität geben kann. Diese kann man oft nicht einmal von so genannten Sexualforschern, oder anderen dem Thema näher stehenden Experten, erwarten.

Seit April diese Jahres bin ich im Rat der Deutschen Buddhistischen Union (bundesweiter Dachverband) und Du kannst getrost davon ausgehen, dass ich dafür gesorgt habe, dass den Buddhisten die mich in dieses Amt gewählt haben schon vorher klar war, dass ich schwul bin.