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Samstag, 6. März 2010

Sexueller Missbrauch - Viele Facetten

Sehr interessant, was alles in der heutigen Zeit als Missbrauch gewertet wird bzw. werden kann. Für mich schält sich dabei mehr und mehr heraus, dass sexuelle Kontakte vor allem dann missbräuchlich sind, wenn eine/r der Beteiligten sich wegen körperlicher Überlegenheit der/s anderen nicht wehren kann, oder sich dem sexuellen Wünschen des Gegenübers aus anderen Gründen nicht entziehen kann. Auch scheint man bei den "Übergriffen" immer mehr die Gewalt mit einzubeziehen. Erziehungsberechtigte scheinen, mit nicht wenig Lust, noch vor wenigen Jahren auf Zöglinge immer wieder und heftig eingedroschen zu haben.

So ging es auch, wenngleich in relativ geringem Ausmaß, im Heidelberger Friedrichsstift, einer evangelischen Internatseinrichtung, auch Schülerheim genannt, in der Bergstraße 106 in Heidelberg-Handschuhsheim, zu. Der Pfarrer, der dieses Haus leitete und dort auch mit Frau und Sohn lebte, hat durchaus das ein oder andere mal kräftig zugeschlagen, wenn er sich pädagogisch nicht mehr anders zu helfen wusste.

Eine ganz andere Form von Missbrauch, die damals wie heute mehrheitlich fälschlicher Weise nicht als Missbrauch empfunden wird und sich mit dem zu dieser Zeit üblichen Umgang mit dem Thema erklären lässt, fand im Zusammenhang mit Homosexualität statt. Zwei Schüler die im Friedrichstift diese Neigung bei sich entdeckten und einen der seltenen Freiräume im Speicher des Hauses nutzten um ihrer gegenseitige Zuneigung Raum zu geben und ihre Sexualität zu erkunden, traf der Bannstrahl der Internatsleitung. Unter den anderen Schülern des Heims gab es nur spärliche Informationen und diese wurden nur unter vorgehaltener Hand verbreitet. Die beiden Schüler die irgendwann "erwischt" worden waren, wurden danach streng getrennt gehalten und mussten sich einzeln den Befragungen des Pfarrers unterziehen. Dies geschah ca. 2 Jahre vor einer ersten Liberalisierung des § 175 und war wohl damaliger Standard nicht nur im Friedrichstift, einem Haus des evangelischen Melanchthonvereins welcher bundesweit noch mehrere Häuser unterhielt.

Mir selbst wurde später ein Zutritt zum Stift und der Besuch von alten Internatskameraden verwehrt, nachdem ich mich bereits mit 17 Jahren, damals eine große Seltenheit, soweit möglich zu meiner Homosexualität bekannte.

Samstag, 19. September 2009

Mobbing, Diskriminierung und Amok an Schulen

Mit einige Verwunderung lese ich immer wieder Berichte über Mobbing und Gewalt an Schulen. Die "Experten" tun allesamt so, als wäre das eine völlig neue Erscheinung unserer Zeit.

Da kann ich aus eigener Erfahrung anderes berichten:
Da meinen beiden berufstätigen Eltern meine möglichst frühe Unterbringung in der Schule gelegen kam, wurde ich ein Jahr früher als alle anderen Kinder eingeschult. Dazu kam, dass ich ein etwas dickeres Kind war und, bedingt durch meinen rheinländischen Vater, den in Wiesloch (nähe Heidelberg) üblichen "charmanten" Dialekt nicht akzentfrei beherrschte.

Der Jüngste und damit schwächere, einer von den "Dicken" (Bild aus der Zeit mit jüngerer Cousine) und dann noch der mit einem "auswärtigen" Akzent zu sein, reichte auch damals völlig aus um von der Mehrheit der 23 anderen Jungs der Klasse gemobbt, gequält oder zumindest gedemütigt zu werden. Dazu kam noch, dass das damalige, vom dritten Reich übernommene oder nach dem Krieg im Schnellverfahren ausgebildete, pädagogische Fachpersonal etwas eigentümliche Methoden hatte ihre Schüler zu disziplinieren. Neben "Tatzen", Ohrfeigen und Zwirbeln der Haare im Schläfenbereich gab es noch andere perfide Methoden. Am besten ist mir folgende wiederholte Maßnahme eines Lehrers in Erinnerung: "Rusche hat mal wieder seine Hausaufgaben nicht gemacht, die ganze Klasse bleibt eine Stunde länger. Ihr wisst ja bei wem ihr Euch zu bedanken habt..."

Text zum Bild: Rums, da geht die Pfeife los - Mit Getöse, schrecklich groß! W.Busch
Ich bin nicht Amok gelaufen, ich habe gelernt mich durch zu kämpfen und mich so gut wie möglich dieser Schule zu verweigern. "Sitzen bleiben" um mit Gleichaltrigen zusammen zu kommen war keine Option, weil das damals gleichbedeutend mit "Schande" war. Die Schule war mir verhasst und das Ende meiner Schulzeit, zumindest in Wiesloch, war eine Befreiung für mich. Mein damaliger Freund und Leidensgenosse Jürgen B. war offensichtlich nicht so robust wie ich und lebt heute nicht mehr - Suizid.

Meine Verwunderung darüber, wie schlimm es heute in deutschen Schulen zugehen soll, ist entsprechend groß. Ich glaube nicht, dass dies eine neue Entwicklung ist, ich weiß aus eigener Erfahrung: Es hat Tradition und sollte eigentlich nur besser geworden sein.

Diesen lesenswerten

Blogbeitrag zum Thema Amok, Mord und Gewalt an Schulen

hab ich gefunden und möchte ihn in diesem Zusammenhang empfehlen.