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Sonntag, 28. Juni 2009

Regeln und Riten im Buddhismus


Viele Buddhisten die ich kenne, auch mir passiert es ständig, bringen die abendländisch-christlichen Standards in ihre buddhistische Praxis und Erkenntnis ein.

Grundlegend ist aber festzustellen, und es ist gut, wenn man sich ständig erinnert: Im Buddhismus gibt es keine(n) strengen, rächenden, liebevollen, vergebenden, gerechten Gott/Götter. Der/die haben im Buddhismus nichts verloren.

Der Buddha und nach ihm viele weise Menschen haben Regeln aufgestellt, so genannte Tugendregeln. Diese Regeln sind KEINE Gesetze sondern Ratschläge und Hinweise für ein gutes Leben mit möglichst wenig weiterer Verstrickung und Verwirrung. Auch bei diesen Regeln gibt es Unterschiede.

Da sind zum einen die von allen buddhistischen Traditionen anerkannten 5 Silas

- keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen,
- Nichtgegebenes nicht zu nehmen,
- keine unheilsamen sexuellen Handlungen zu begehen(sexuelle Handlungen zum Schaden anderer),
- nicht unwahr oder unheilsam zu reden,
- nicht durch berauschende Substanzen das Bewusstsein zu trüben.

welche einen Mindeststandard von ethischem Verhalten darstellen. Selbst diese sind keine "Gebote" (von wem auch?).


Auf den fünf Silas aufbauend gibt es weitere Regeln die in ihrer intensivsten Ausprägung letztlich in Vinaya münden, dem Regelwerk für voll ordinierte Mönche und Nonnen. Hier ist die Verbindlichkeit eine intensivere, da die Bikkhus und Bikkhshunis (voll ordinierte Mönche und Nonnen) eine hohe und verantwortungsvolle Position einnehmen und daher in einem von diesem Regelwerk gewährleisteten Standard der "Reinheit" leben sollten. Auch hier ist die "Reinheit" nicht ein Leben ohne "Sünde" wie das bei anderen Religionen gesehen wird, sondern ein Leben, dass so weit wie möglich frei von Anhaftungen und Verstrickungen in diese Welt sein sollte. Um den Mönchen und Nonnen dieses Leben zu ermöglichen, wird ihnen von seiten der Laien ein großes Maß an Respekt zuteil. Es wird so gut wie möglich dafür gesorgt, dass sie keine materielle Sorgen haben und ihnen ihr, dem Dharma/Dhamma gewidmetes, Leben ohne große Hindernisse und Ablenkungen ermöglicht wird. Auch hier hat es nichts mit äußerem Zwang zu tun. Jeder Mönch, jede Nonne kann seine/ihre Robe, und damit seine/ihre Ordination zurück geben, wenn sie feststellen, dass sie dieser verantwortungsvollen Art des Lebens nicht gewachsen sind.

Informationen über buddhistische Mönche und Nonnen in Deutschland

Ähnlich wie wir das aus unserer 2000jährigen christlichen Geschichte kennen, versuchen auch im Buddhismus immer wieder Menschen das Gute und Nützliche aus beiden Lebensentwürfen zur gleichen Zeit für sich nutzbar zu machen. Dadurch entstehen Bigotterie, Doppelmoral, Betrug und Heuchelei wie immer, wenn Menschen andere Menschen zu ihrem eigenen (vermeintlichen) Vorteil täuschen oder täuschen wollen.


Es wundert mich nicht, es ist eher erfreulich, dass der Buddhismus hier so "normal" ist wie alle anderen Religionen und Weltanschauungen. Die Struktur des Buddhismus verdient in diesem Zusammenhang aber besondere Erwähnung, hat sie doch dafür gesorgt, dass die Lehre des Buddha Shakyamuni über 2.500 Jahre weitergegeben wurde und lebendig geblieben ist. Die selbstreinigenden Kräfte, wie sie in der buddhistischen Lehre und Praxis wirken, haben letztlich dafür gesorgt, dass Fehlentwicklungen nicht überhand nehmen konnten und auch in Zukunft nicht überhand nehmen können.
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