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Samstag, 31. Oktober 2009

Sex im Kloster

Einige Tage vor dem Besuch des Dalai Lama in diesem Jahr in Frankfurt platzte die Nachricht mitten in die Vorbereitung für die Veranstaltung. Der Leiter einer der drei veranstaltenden Organisationen, ein "Mönch", hatte offenbar sexuelle Kontakte zu anderen Mönchen in jugendlichem Alter. Ein junger Mann, der angab schon vor einiger Zeit, unter anderem wegen der sexuellen Übergriffe, die Einrichtung verlassen zu haben, offenbarte seine Erfahrungen im Internetforum der DBU.
Die Diskussion über das Thema uferte derart aus, dass die Moderatoren sich entschlossen, die entsprechenden Threads zu schließen und Teile des Forums vorübergehend unsichtbar zu machen.

Nun ist das eigentliche Problem welches ich mit Sex im Kloster habe nicht, dass irgendjemand einvernehmlichen Sex hat. Es ist die, auch aus christlichen Kreisen bekannte, Doppelmoral, die mich dabei stört. Einerseits wird, aus teilweise schwer nachvollziehbaren Gründen, den Besuchern und Unterstützern des Klosters und der Mönche eine "Reinheit" derselben präsentiert. Zumindest was Asiaten angeht, ist diese Art von Mönchsstatus eine wesentliche Voraussetzung für die von buddhistischen Laien gewährte Unterstützung. Für Westler ist diese Voraussetzung im Zuge der sexuellen Aufklärung und Emanzipation nicht ganz so wichtig, wenn aber Sexualität heimlich hinter dieser vorgeblichen Enthaltsamkeit gelebt und praktiziert wird, dann stößt es auch ihnen sauer auf. Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen hat, meist im Christentum und im Islam, eine jahrhunderte währende traurige Tradition. Auch die sexuellen Übergriffe von "Seelsorgern" die von der Seele dann doch mehr zur Sorge ums Leibliche übergehen, haben traurige Bekanntheit und stoßen auf Ablehnung. Im Buddhismus scheint, wie wir jetzt mehr und mehr erfahren, die favorisierte Strategie des ehemaligen US-Präsidenten Clinton in der US-Army "Don't ask - don't tell" seit langer Zeit die übliche Umgangsweise zu sein. Was nicht sein soll/darf, das ist dann auch nicht - am besten man fragt erst gar nicht danach und darüber reden sollte man möglichst auch nicht.

Diese altertümliche und asiatische Umgangsform mit der Sexualität kann hierzulande eigentlich nur zum Konflikt führen. Zwar hält sich die Sexualmoral in Grenzen, mit der Vertreter des Buddhismus in die Öffentlichkeit gehen, aber zu Verärgerung führende Doppelmoral ist es allemal wenn Wasser gepredigt wird um dann Wein zu trinken.

Kluge buddhistische Lehrer haben das schon lange erkannt und unterrichten ihre Schüler auch entsprechend:
Es geht nicht um die Handlung an sich, sondern um die Motivation die dahinter steht und um die Wirkung welche die Handlung hat. Ist die Motivation, auch im sexuellen Bereich, so weit wie möglich von Gier, Hass und Ignoranz entfernt und ist die sexuelle Begegnung verbunden mit gegenseitiger Liebe, Zuneigung und Verantwortung dann gibt es kein vernünftiges Argument aus buddhistischer Sicht, etwas gegen Sexualität buddhistischer Laien zu sagen.
Heraus zu finden, warum nun in den buddhistischen Ordensregeln (Vinaya) ein so großer Wert auf sexuelle Enthaltsamkeit der Ordensmitglieder gelegt wird, ist Sache von Menschen, die in diesen Orden eintreten. Allenfalls können noch Buddhologen sich Gedanken machen in welchen Zusammenhängen diese Regeln entstanden sind und ob sie noch zeitgemäß sind. Auf jeden Fall ist es im Buddhismus relativ einfach seine Robe wieder abzugeben, d.h. die Ordinierung zum Mönch/zur Nonne aufzugeben, wenn man feststellt, dass man den Anforderungen der Ordensgemeinschft auf der ein oder anderen Weise nicht gewachsen ist.

In Anerkennung der besonderen Lebensbedingungen, wozu auch die sexuelle Enthaltsamkeit gehört, kommt Mönchen und Nonnen traditionell großer Respekt und Unterstützung zu. Diesen Respekt und diese Unterstützung verspielen sich die Ordinierten auf lange Sicht, wenn sie ihre eigenen Regeln missachten. Das Gespräch darüber, ob und warum gewisse Regeln sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt und sollte sicher irgendwann in absehbarer Zeit geführt werden.
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