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Freitag, 19. Juni 2009

Sexueller Missbrauch und Buddhismus


Sexueller Missbrauch - dieser Begriff steht meist als Sammelbegriff für Verhalten, welches sexuelle Kontakte herbeiführt die nicht auf gegenseitigem Einvernehmen beruhen. Daher kann unter diesen Begriff sowohl eine Vergewaltigung als auch die Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses im weitesten Sinne fallen.

In einem Treffen buddhistischer Lehrer mit dem Dalai Lama wurde ein offener Brief verfasst in dem unter anderem dieser wichtige Abschnitt zu finden war:

Die Position eines Einzelnen als Lehrer erwächst in Abhängigkeit aus der Nachfrage seiner oder ihrer Studenten, nicht einfach aus der Ernennung durch eine höhere Autorität. Daher muss der Student große Sorgfalt bei der Auswahl eines geeigneten Lehrers walten lassen. Ihm muss ausreichend Zeit gewährt werden, seine Wahl zu treffen, die auf persönlicher Erforschung, Vernunft und Erfahrung beruhen sollte. Studenten sollten vor der Gefahr, Charisma, Scharlatanerie oder Exotismus zum Opfer zu fallen, gewarnt werden.

Es ist eine Frage der Zeit, bis die Mechanismen, die bei den christlichen Kirchen zu sexuellem Missbrauch führten, auch bei buddhistischen Einrichtungen vorkommen werden. Deshalb ist es wichtig mit Sexualität offen umzugehen und nicht einfach frömmelnd so zu tun als wenn sie bei Buddhisten kein Thema wäre. Auch wäre es gut in Sachen "unter den Teppich kehren" und Doppelmoral von den Vorkommnissen in den christlichen Kirchen zu lernen und nicht die gleichen Fehler zu machen.

Unter dem Titel

Tolerant ist nicht, wer Missstände ignoriert
ist folgendes im Internet zu finden:

sexueller Missbrauch
• Lehrerposition wird für persönliche Wünsche und Begierden ausgenutzt
• Automatische Rechtfertigung des Lehrers durch die Anderen, wie findet das Opfer Gehör?
• Ein Dharma-Lehrer muss berücksichtigen, dass Schüler sich ihm gegenüber nicht unbedingt wie verantwortliche Erwachsene verhalten
• Bei vielen Opfern spielt sich eine Wiederholung alter leidvoller Erfahrungen ab.
• Bei manchen Opfern gibt es durchaus auch eigene Wunschfantasien

Lösungen:
• Mehr, gründlichere und authentische Dharmakenntnisse
• Mehr Kenntnisse über die Gefahren vermitteln
• Die eigene Kritikfähigkeit beibehalten, kein blinder Glaube
• Lehrer und Gruppen gründlich und länger prüfen
• Nicht immer gleich die höchsten Wege gehen wollen
• Den Vinaya kennenlernen, da gibt es viel über Sangha-Erfahrungen zu lernen
• Aufstellen eines Lehrer-Verhaltenskodex
• Einrichtung eines Ethikrates oder von Vertrauenspersonen

Es scheint so, dass auch in den buddhistischen Ländern selbst eine beachtliche Verdrängung der sexuellen Realität stattfindet, so dass wir nicht hoffen können von dort allzu viel Beispielhaftes zu lernen. In einem Gespräch das ich vor kurzem mit einem thailändischen Buddhisten führte, wurde mir von einer Umfrage erzählt, deren Ergebnis war, dass fast die Hälfte aller männlicher Jugendlichen ihre erste sexuelle Erfahrung in einem Tempel machten. Ob die sexuellen Kontakte mit Personen aus dem Kloster stattfanden oder unter den Jugendlichen während einer temporären Ordination konnte mein Freund nicht beantworten, da die Fragestellung nicht auf dieses Ergebnis eingestellt war. Die Initiatoren der Umfrage waren sehr überrascht und haben sie erstmal nicht veröffentlicht.
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