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Dienstag, 19. Mai 2009

Der törichte Philosoph,
Auszug aus einem "alten" Buch

Vergleichbar einem König, der eine Krone trägt, ist der Gipfel eines berühmten Schneeberges in Nebel gehüllt.
Es heißt, dass man von diesem Berg aus Nordpol und Südpol gleichzeitig sehen kann. Dieser Berg wird von anderen felsigen Schneebergen eingeschlossen. Am Fuße dieser Bergkette liegt ein Tal, das als Rückzugsort für Meditierende bekannt ist. Die Luft dort strömt den Wohlgeruch von Kräutern und die Frische der Berge aus. Überall haben schwer Arbeitende davon geträumt, diesen Ort einmal aufzusuchen. In diesem friedlichen Tal wachsen Weiden, blühende Rhododendronbüsche, Buchen, Kiefern und viele wilde Blumen.

Dort ist ein Wasserfall, wie herunterhängende weiße Seidenschärpen, der Klang des herab fallenden Wassers ist einladend. Nahe beim Wasserfall steht ein einfaches Haus, aus Steinen gebaut. Kein auffälliges Schmuckwerk überhäuft es. Mühelos fügt es sich in die felsige Landschaft ein. Die Pfeiler und Balken im Innern sind aus Zedernholz. An der Vorderseite lässt sich ein großes Fenster zu einer Veranda hin öffnen. Einst stieg blauer Rauch sanft aus dem Kamin und verschwand im Himmel.

Hier lebte ein berühmter Gelehrter. Sein Zimmer war völlig mit Büchern angefüllt. Er fand Gefallen am Studium der Natur und war in den Gebieten von Philosophie, Kunst, Medizin und Dichtung bewandert. Er verbrachte seine Zeit mit langen Spaziergängen, mit Lesen und Schreiben. Gelegentlich musste er Erinnerungen an Arbeit und Kampf in seinem früheren Leben in den Städten unterdrücken. Er behandelte seinen Koch-Schüler auf eine väterliche Art und Weise, aber mit einem gewissen Maß an Stolz und hochmütiger Geringschätzung, was ihm die Gewähr für Gehorsam und Tüchtigkeit des Kochs gab. Er unterwies seinen Schüler in allen Dingen - von der Teezubereitung angefangen bis hin zu den feinsinnigen Fragen der Philosophie. Sein Schüler sprach ihn niemals an, denn seine Zeit wurde völlig vom Zuhören in Anspruch genommen.

Einmal unternahmen sie einen Spaziergang, und sein Schüler warnte ihn, dass die Brücke, die sie gerade überqueren wollten, zu unsicher wäre. Der Lehrer gab zur Antwort: „Der geistige Horizont meines Sehvermögens ist viel größer als der deinige." Als er auf die Brücke trat, stürzte sie ein, und er starb in den reißenden Wasserfluten.

In dem reinen Land der herrlichen Schneeketten
Lebte ein gelehrter Mann - eine verderbliche Blume mit giftigem Nektar.
Die Krankheit des Stolzes machte ihn taub und stumm.
Als er ein Wort des Rates hörte, beging er Selbstmord.

Ein Mensch, auf törichte Art und Weise klug, ist wie ein Kranker.
Ein Mensch, auf kluge Art und Weise töricht, ist wie ein Kind, das Laufen lernt.

Für das Reiten auf dem Pferd des Wissens ist es gut, einen Sattel zu haben.

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