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Montag, 12. Januar 2009

Sex? Bin ich erschrocken...


als ich auf dem auf meine Seite verlinkten Blog Gay West folgende Überschrift entdeckte:

Lieber Herbert Rusche, Sex mit Dir …

was war passiert? Plauderte etwa ein einstiger Onenightstand oder gar eine kürzer oder länger währende Liebschaft in aller Öffentlichkeit intime Details aus? War ich etwa nicht gut (sexueller Leistungsdruck..) gewesen, war ich zu oberflächlich oder zu ichbezogen, bekomm ich nun späte Schelte für jugendliche Sex-Gier, sexuellen Leichtsinn und Übermut? Das waren die Gedanken die mir durch den Kopf gingen bis die Seite mit dem vollständigen Artikel endlich aufgebaut war. Die Fortsetzung des Satzes mit

… hatte ich nie, damals in den frühen 80ern, in den Anfängen der Grünen Partei, obwohl wir damals untereinander nicht besonders monogam waren als grüne Schwulenaktivisten.

erleichterte und freute mich dann ungemein.

Ein damals, und vermutlich auch heute noch, junger Mann kannte mich aus grün/alternativen Anfängen und hat, wie ich, nur schon viel früher, der Partei Die Grünen den Rücken gekehrt.


Lieber Damien,

es ist überraschend wie ich aus der zeitlichen und räumlichen Ferne wahrgenommen werde und deshalb möchte ich mich bemühen ein paar Sachen, die ich aus dem weiteren Beitrag erfahren habe, richtig zu stellen und/oder zu kommentieren.

Buddhist war ich schon drei Jahre bevor ich anfing mich bei den Grünen zu engagieren.

Gegen den § 175 hab ich wissentlich nur zwei oder drei mal verstoßen bis er, der DDR sei Dank, dann endlich gestrichen wurde. Der Grund für diese vergleichbar geringe Bereitschaft diesen § durch häufigen Verstoß zu untergraben, lag nicht an meiner diesbezüglichen Gesetzestreue sondern an meiner damaligen Vorliebe für Männer im Alter von 20+ und 30+ und so. Selbst haarige und hässliche Männer konnten und können mir sehr gut gefallen, weshalb ich auch die Zuschrift mit Schreibstau eines Queer-Lesers auf Deinem Blog sehr witzig finde.

Popper zitieren macht mich nicht zum Liberalen. Mir sagen Menschen grundsätzlich zu, wenn sie was Kluges sagen. Meinetwegen können sie dann auch Liberal, Libertär, Links oder Bürgerlich sein - wenns denn stimmt, weiter bringt und klüger macht. Oder wie Buddha schon vor 2.500 Jahren sagte:

Wovon Weise sagen "das ist", davon sage auch ich "es ist"

Dass "Linke" nicht immer "die Weisen" sind, das ist mir schon vor langer, langer Zeit klar geworden.

So verhält es sich auch mit dem whk. Es ist die erfrischende, kluge und unermüdlich ausgeübte Kritik und Opposition dieser Organisation und ihrer Zeitschrift die mich zum Freund, Mitglied und Unterstützer macht. whk-schimpfe braucht niemand zu fürchten. Man kann immer zurück schimpfen und bringt sich damit gegenseitig oft zu wunderbaren Erkenntnissen. Kurz: Ich bin kein Parteigänger des whk sondern ein freier Mensch was ich schon immer auch früher versucht habe zu sein.

Zuletzt möchte ich Dir noch widersprechen was die Religion angeht. Ein schwuler Buddhist hat es grundsätzlich nur so schwer wie er es sich selber macht. Es gibt weder Papst noch Mullah oder ähnliches, die sich als Sprachrohr höherer Wesenheiten empfinden und ihren neurotischen Kram als Gottes Wort verbreiten. Selbst wenn der Dalai Lama ne seltsame Meinung zum Thema Homosexualität hat, dann ist das seine Sache und hat mit mir nichts zu tun. Allenfalls stell ich mir die Frage wer auf die verrückte Idee kommt, dass ein Mönch kompetente Auskunft über Sexualität geben kann. Diese kann man oft nicht einmal von so genannten Sexualforschern, oder anderen dem Thema näher stehenden Experten, erwarten.

Seit April diese Jahres bin ich im Rat der Deutschen Buddhistischen Union (bundesweiter Dachverband) und Du kannst getrost davon ausgehen, dass ich dafür gesorgt habe, dass den Buddhisten die mich in dieses Amt gewählt haben schon vorher klar war, dass ich schwul bin.

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