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Sonntag, 22. März 2009

Gestatten, ich bin schwul


Bild links: Der sich offen zu seiner Homosexualität bekennende jüngste Bürgermeister in Bayern, Michael Adam.

Da ich mich vor vielen Jahren entschieden habe offen so zu leben wie ich bin, führte das auch dazu, dass ich mich auf allen gesellschaftlichen Ebenen als Homosexueller bekannte. Das bedeutete weder damals noch heute, dass ich eine pikante private Schweinerei präsentieren wollte. Vielmehr ist es, dass ich mir als Mann der Männer mag das erlauben will, was jeder Mensch der einen oder mehrere Menschen des anderen Geschlechts liebt, mit großer Selbstverständlichkeit immer wieder tut. Mit jedem "darf ich vorstellen: das ist meine Frau, das ist mein Mann, das ist mein Kind, das sind meine Kinder, Freund, Freundin etc." tut der gewöhnliche Heterosexuelle, allgemein akzeptiert und begrüßt, seine Heterosexualität kund. Dies ist sogar ziemlich einfach, weil von den Mitmenschen von vornherein jedem Mann und jeder Frau Heterosexualität unterstellt wird.

Heterosexualität wird auch erstmal jedem/r Homosexuellen unterstellt. Um klar zu stellen, das der Freund, den man vorstellt, nicht ein Skatbruder oder ein Team-Freund vom Fussballplatz ist, oder bei Frauen die Freundin nur eine Bekannte vom Kaffeekränzchen ist, sollte man zunächst mal klären um welche Art von Verhältnis es sich handelt. Dies ist man nicht nur seinem Gegenüber, sondern auch seinem/r Lebenspartner/in und sich selbst schuldig. Auch als "Single" ist es mitunter wichtig seine diesbezügliche Orientierung zu erwähnen, damit keine Missverständnisse entstehen können.

So kam es, dass ich zunächst meine Mutter als Jugendlicher mit meinem "So-sein" konfrontierte. Bei der Ausbildung und später bei der Arbeit führte "dieses Thema" mehrfach zu Jobverlusten. Mitte der siebziger Jahre bekannte ich in der Illustrierten "Stern" zusammen mit über 600 anderen Männern: "Ich bin schwul!".

Mein schwulenpolitischen Engagement bewahrte mich mit davor, mich irgendwelchen damals einigermaßen angesagten "K"-Gruppen anzuschließen. Diese erklärten das Thema zu einem "Nebenwiderspruch" der eines Tages gelöst wird, wenn der "Hauptwiderspruch" gelöst und aufgehoben worden ist. Als dann noch Berichte aus China kamen, in denen geschildert wurde, dass irgendwelche revolutionäre Volkstribunale lesbische Frauen zwangsverheiratet hatten, war mir restlos klar, das das mit mir nichts zu tun haben konnte. Als es zur Gründung der Grünen kam, bei welchen mir die angegangenen Themen Ökologie, Frieden und Gewaltfreiheit sehr zusagten und wo auch eine gewisse Aufgeschlossenheit dafür bestand, dass sich Schwule mit ihren politischen Anliegen einbrachten, war ich von Anfang an dabei.

Auch auf religiösem Gebiet begegnete mir in diesem Zusammenhang nicht viel Entgegenkommendes. Es kann davon ausgegangen werden, dass die heiligen Bücher gewisser Religionen fast immer von Vertretern der heterosexuellen Mehrheit geschrieben wurden. Auch wenn diese Propheten, Schriftgelehrten und anderen Schreiber sich als universelle Stimme Gottes empfanden, war aus ihrer begrenzten Sicht für Menschen mit einer starken Zuwendung zum eigenen Geschlecht kein Platz in ihrer "heiligen" Schrift oder gar in ihrem gelobten Land.

So kam ich, in für mich logischer und konsequenter Folge, unter anderem auch aus diesen Gründen zum Buddhismus. Hier waren die Meinungen von Menschen eben nur Meinungen, mehr nicht. Filtert man Kulturelles und Persönliches der Meinungsträger heraus, dann bleibt an Schwulenfeindlichem und Homophobie im Buddhismus nichts übrig. Selbst der Dalai Lama musste auf Nachfragen, von Schwulenaktivisten aus den USA, ob der Buddha sich jemals ablehnend über Homosexualität geäußert hat, mit "I don't know" antworten.
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