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Montag, 28. Februar 2011

Buddha heute? 2

Viele Menschen hier im "Westen" sind nur allzu gerne bereit, wunderbare Geschichten aus dem Orient zu hören und zu glauben. So kommen allerlei Botschaften, Weisheiten, ja sogar Lehren aus anderen, uns unbekannten, Teilen der Welt. Seit ich Bücher lese, sind mir aus diesem Genre schon Schriften zu Yoga, Sufismus, Schamanismus, Naturreligionen, Geister- und Dämonenkulte von Eingeborenen ferner Länder und Inseln und nicht zuletzt auch vedische Schriften und der Buddhismus begegnet.

Mehr oder weniger frei und unbelastet von den aktuellen Problemen unter denen diese Botschaften in ihren Herkunftsländern leiden, habe ich diese mit tausenden anderen "Westlern" in unserer relativ kuscheligen, mit materiellen Gütern reichlich ausgestatteten Welt, zur Kenntnis genommen. Auf alles was uns da in den letzten Jahrzehnten verkauft wurde einzugehen wäre zuviel, deshalb will ich mich auf den Buddhismus beschränken.

Gerne ist man hierzulande bereit einen Lama, einen Mönch, einen Zen-Meister, einen Guru oder was immer mit den buddhistischen Traditionen in Verbindung zu stehen scheint, spontan eine Menge Aufmerksamkeit, Respekt und Verehrung entgegen zu bringen. So haben die Mitglieder einer mir bekannten, im Zusammenhang mit tibetischem Buddhismus stehenden, Gruppe im Scherz den Begriff der "Tibeterverehrung" erfunden, weil alle Besucher und Mitglieder vor Ehrfurcht vergingen wenn ein Tibeter auftauchte, egal ob das ein Rinpoche, Lama oder auch nur ein einfacher Laie war.

Das gleiche Phänomen betrifft auch die anderen Traditionen. Bei Zen habe ich das nur aus relativer Ferne beobachtet. Auch bei Freunden der Theravada-Tradition reichen eine Robe oder eine robenähnliches Gewand und asiatische Sprachkenntnisse oft aus, um alle zu beeindrucken. Selbst deutsche oder andere europäische "Meister" blenden erfolgreich mit der Behauptung entsprechende "Autorisierungen" von meist schon verstorbenen Lehrern und Linienhaltern bekommen zu haben.


In Köln gab es einen sehr jungen burmesischen "Mönch" namens Sopaka der lange Zeit, die Theravada Leute aus der Umgebung und sogar einige Burmesen beeindruckte. In Köln wurde ihm einige Zeit ein "Zentrum" zur Verfügung gehalten. Salopp gesagt, ein Asiate der sich in entsprechenden Stoff hüllt, der sich rudimentär mit Buddhismus auskennt und eine fremde exotische Sprache spricht, kann in Deutschland und sicher auch in anderen europäischen Ländern eine steile Karriere machen.

Womit all diese Meister, Vorbilder, Äbte, Mönche usw. nicht rechnen, ist, dass die zunächst so Geblendeten vereinzelt anfangen Quellenstudien zu betreiben und sich in den Pali-Kanon einarbeiten und sogar Vinaya (die Mönchsregeln) studieren. Diese "verbotenen" Studien ergeben dann, dass nicht nur das Blenden von leichtgläubigen Europäern gegen die "Regeln" verstößt, sondern auch lange und eifrig gepflegtes Brauchtum aus den Theravada-Ländern sich sehr weit vom ursprünglichen Sinn entfernt hat. Auch werden die Regeln oft nur da angewendet wo sie brauchbar sind und an Stellen wo sie Mühe und Ehrlichkeit verlangen, werden sie ganz einfach übersehen.

Letzeres will ich am Beispiel des Mönchs U Uttara beschreiben. Vor einigen Jahren wurde mir dieser Mönche von Burmesen vorgestellt. Er sprach gut englisch und erfuhr große Anerkennung von den hier in Deutschland lebenden Burmesen. Er war/ist Gründungsmitglied, Namensgeber und zugleich der erste Vorsitzende des neu gegründeten Vereins Buddha Sasana Ramsi.

Dieser Mönch mit Verein suchte nach Gründung Platz und Raum zur Errichtung eines Tempels, was ihm nach einiger Zeit mit Spendengeld und viel ehrenamtlicher Hilfe vor allem der Burmesen auch gelang. In der Zeit des Aufbaus dieses Tempels stellte sich heraus, dass der Mönch U Uttara ein strenges Regiment im Verein führte und auch immer alleine bestimmte, wer den Tempel und diesen Verein repräsentiert und leitet. Für mich als Europäer nichts besonderes, dass ein Mönche einen Verein führt, obwohl ich mich über die seltsame Vereinsführung schon ein wenig wunderte. Um die Geschichte abzukürzen, der Mönch nahm über Jahre bis zum Mai 2010 Spenden der Burmesen und anderer Tempelbesucher entgegen, verwendete sie für Reisen und seltsame Transaktionen. Er mobbte alle, auch andere Mönche, die ihm nicht genügend ergeben waren und bei denen die Gefahr bestand, dass sie eine eigene Meinung haben könnten. Letztlich führte seine Vereins- und Tempelführung dazu, dass die Burmesen sich zerstritten und in mehrere Lager spalteten, von denen keines in der Lage war, den Tempel weiterhin zu betreiben. Der neu gegründete Tempel wurde darauf hin vorläufig aufgegeben.

Hier geht es zur aktuellen Homepage dieses Mönchs und eines seiner Mitarbeiter.


Texte auf dieser Homepage sind, im Gegensatz zu früher, ausschließlich auf Burmesisch.

Die Fotografien mit Burmesen in der Dia-Show unten stammen aus früheren Zeiten und sind mit der Homepage verknüpft. Sie sollen wohl suggerieren, dass es noch immer eine lebendige und diesem Mönch ergebene Gemeinschaft gibt.

Diashow mit Fotos aus 2009

Aus Sicht der alten buddhistischen Mönchsregeln sieht das nach meinem Verständnis so aus:

Die Mönche bilden den Sangha und die Laien kümmern sich um die Behausung und das materielle Wohl der Mönche. Die Mönche können zwar Wünsche äußern, haben sich aber nicht in die Arbeit der Laien aktiv einzumischen. In anderen Worten, ein Mönch kann und darf nicht Vorstand eines Vereins werden. Ein Laie kann und darf sich nicht in Sangha Angelegenheiten einmischen. Kommt es nun zur Missachtung der Regeln indem z.B. der Mönch den ihm entgegengebrachten Respekt zum Ausbau der eigenen Macht missbraucht, dann entstehen Probleme. Laien dürfen und können eigentlich den Mönchen nicht widersprechen, was auch in Ordnung ist, wenn die Mönche gemäß ihrer Ausbildung und ihrer Gelübde, sich auf das Spirituelle beschränken. Leider widersprechen die Laien ihren Mönchen auch nicht, wenn diese so ziemlich alle Regeln brechen oder nach Gutdünken pragmatisch für die eigenen politischen Zwecke einsetzen.

Ähnliches kenne ich auch aus der Politik, in der bestimmte "Autoritäten" einfach alle Regeln, mehr oder weniger offensichtlich, nach Gutdünken brechen können um ihre Ziele durchzusetzen, Konkurrenten auszuschalten und Macht über andere auszuüben.
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